Der Salztod

 

Angelina (4) das "Salzopfer"

Die Schlagzeile:

Streit um Salz- Mord an Kind
Prozess: Stiefmutter soll Vierjährige vergiftet haben - Angeklagte bestreitet Vorwurf

Angeklagt ist die 23- jährige Claudia S. aus Ludwigshafen vor dem Landgericht Frankenthal in Rheinland- Pfalz. Sie soll die vier Jahre alte Tochter Angelina ihres Lebensgefährten mit zwei Esslöffeln Salz in einem Pudding ermordet haben. Nach Darstellung der Anklage aß die Vierjährige am 25. März 2004 in der Küche der elterlichen Wohnung einen 0,2-Liter-Becher Pudding, dem 30 bis 40 Gramm Salz zugesetzt waren. Danach bekam sie Durchfall und musste sich übergeben. Einige Stunden später wurde das Kind in eine Klinik gebracht, wo es am 27. März starb. Die Vergiftung hatte zu einem Hirn- und Lungenödem geführt, Todesursache war letztlich ein Herz- und Kreislauf-Stillstand. Misstrauisch gewordene Angehörige setzten bei der Polizei eine Untersuchung in Gang. Der Verdacht richtete sich gegen die 23-Jährige, die mit dem Mädchen und ihrem kleinen Sohn allein in der Wohnung gewesen war. Sie sagte aus, das Kind habe das Salz in einem unbemerkten Moment selbst in den Pudding gemischt. Ermittlungen gegen den Vater des Mädchens, der erst nach dem Vorfall nach Hause kam, wurden eingestellt. "Wir haben unter Würdigung der gesamten Umstände die Überzeugung erlangt, dass hier jemand ein Kleinkind unter Ausnutzung von dessen Wehrlosigkeit getötet hat", sagt der Leitende Oberstaatsanwalt in Frankenthal, Lothar Liebig. Beim Motiv tun sich die Ermittler schwer. Da die Frau bestreite, von dem Geschehen etwas mitbekommen zu haben, könne die Anklage das Motiv schwer einschätzen, sagt Liebig. Die Behauptung der Frau, das Kind habe den Pudding selbst versalzen und dann gegessen, hält Liebig für unglaubwürdig. Die Anklage stützt sich auf einen Test des Gerichtsmediziners bei Kindergartenkindern. Er hatte den Kindern - mit Einverständnis der Eltern - ungefährlich versalzene Speisen vorgesetzt und ihre Reaktion getestet. Liebigs Fazit: "Die Einlassung der Angeklagten ist als widerlegt anzusehen, so kann es nicht gewesen sein." An einen misslungenen Scherz der 23-Jährigen mag Liebig wegen der Salzmenge nicht glauben. Eine Prise Salz zu viel lasse einen das Gesicht verziehen, bei zwei Esslöffeln könne man sich vorstellen, "wie schrecklich das schmeckt". Und wenn sich ein Kind nach einem schlechten Scherz dauernd übergebe, fahre eine Mutter wohl gleich zum Arzt und warte nicht wie die Frau "stundenlang" ab. Dass sie von vornherein um die tödliche Wirkung der Salzdosis gewusst haben könnte, nimmt er an. "Es gehört zur Allgemeinbildung, dass zu viel Salz gesundheitsschädlich ist. "Nach Darstellung des Anwalts merkte die Frau nicht, wie das Salz in den Pudding gerührt wurde. "Sie kam erst in die Küche, als sie hörte, dass das Kind sich übergab." Zuvor habe sie ihrem kleineren Sohn die Flasche gegeben. Als das Mädchen sich erbrach, habe die 23-Jährige ihre Tante angerufen, die ihr geraten habe, ins Krankenhaus zu fahren. Sie habe noch auf ihren Lebensgefährten gewartet, bevor es losging.

15.07.2005:   Der Stiefmutter kann man den Mord nicht nachweisen. Sie erhält eine Bewährungsstrafe von einem Jahr und zwei Monaten. Vermutlich hat sie aber Angelina in Unkenntnis biologischer Zusammenhänge zum Teller leer essen gezwungen, da "sonst der Schwarze Mann kommt und dich holt". Das Landgericht im rheinland-pfälzischen Frankenthal sprach die Frau der vorsätzlichen Körperverletzung mit Todesfolge für schuldig. Die Staatsanwaltschaft hatte drei Jahre und sechs Monate gefordert, die Verteidigung wiederum auf Freispruch plädiert. Es sei ungeklärt, warum das Kind den Pudding gegessen habe.

Die "böse Stiefmutter" auf der Anklagebank


 

Ein erwachsener Mensch braucht täglich 3 bis  6 Gramm Kochsalz, bei starkem Schwitzen bis zu 19 Gramm. Der durchschnittliche tägliche Konsum liegt allerdings bei 10 bis 20 Gramm. "Verstecktes" Salz wird vor allem in Form von Snacks, Käse und Wurst aufgenommen. Zu große Mengen an Salz können zu Bluthochdruck führen.

Die Rolle der Natrium- und Chlorid- Ionen im menschlichen Körper

Wenn man im vorliegenden Fall von "Salz" spricht, meint man das Speise- bzw. Kochsalz, wissenschaftlicher Name Natriumchlorid. Es gehört zu den essentiellen Mineralstoffen und diente schon in vorgeschichtlicher Zeit als Würz- und Konservierungsmittel.
In einer Ionenbeziehung haben sich die Elemente Natrium durch Elektronenabgabe bzw. Chlor durch Elektronenaufnahme miteinander verbunden. Ionen mit entgegengesetzter Ladung, Na+ (Natrium- Ion) und Cl- (Chlorid-Ion), ziehen sich auf Grund elektrostatischer Anziehungskräfte so weit an, bis diese durch die Abstoßungskräfte der gleichsinnig geladenen Kerne und Elektronenhüllen kompensiert wird.
 



a) Das Mengenelement Natrium (Natrium- Ionen):

Natrium ist vorwiegend in der Körperflüssigkeit außerhalb der Zellen vorhanden.  Die wichtigsten Funktionen des Natriums liegen in der Regulation des Wasserhaushaltes, des Säure-Base Haushaltes, und des osmotischen Druckes der Zellen Körpers, in dem es übermäßigen Wasserverlust, der zur Dehydratation führen kann, verhindert. Zudem wird Natrium zur Unterstützung einer Reihe von Enzymen benötigt. Natrium spielt weiterhin eine entscheidende Rolle bei der Weiterleitung von elektrischen Impulsen in Nerven und Muskelzellen, sowie bei der Kontraktion von Muskeln, einschließlich dem Herzen. Die Aufnahme von zu viel Salz und damit Natrium gilt als relativ unbedenklich, da es über die Nieren ausgeschieden wird. Dennoch wird Bluthochdruckpatienten eine möglichst salzarme Kost empfohlen. Menschen mit Nierenerkrankungen, insbesondere Dialysepatienten, müssen in jedem Fall strikt auf einen kontrollierten Natriumhaushalt achten. Eine Aufnahme von zuviel Salz erhöht vermutlich das Magenkrebsrisiko.

b) Das Element Chlor (Chlorid- Ionen):

Zusammen mit Natrium ist Chlorid unter anderem für die Flüssigkeitsverteilung und den osmotischen Druck im Organismus zuständig. Außerdem ist Chlorid Bestandteil der Magensäure. Diese Säure wird in den Belegzellen des Magens produziert. Sie ist entscheidend an der Zerlegung von Nahrungseiweißen beteiligt. Wie das Natrium befindet sich Chlorid hauptsächlich in Flüssigkeiten außerhalb der Körperzellen, also zum Beispiel in der Blutflüssigkeit, nicht aber in den Blutzellen. Es reguliert dort den Flüssigkeitsstrom zwischen den Zellen (Osmose). Die Nahrung enthält in Form des Speisesalzes eine große Menge Chlorid. Auf Grund dieser und vieler anderer salzhaltiger Nahrungsmittel liegt die Chlorid-Aufnahme bei den meisten Menschen in den westlichen Industrieländern daher weit über dem Bedarf. Überschüssiges Chlorid wird im Allgemeinen durch den Urin und durch Schwitzen wieder ausgeschieden.


 

Der Richter: „Ich habe ein Experiment gemacht, nur 15 Gramm Salz mit Pudding probiert. Es schmeckte ganz ekelhaft. Angelina kann die Überdosis nicht freiwillig genommen haben.“

Kann man sich mit Salz vergiften?

Man kann. Die toxische Wirkung entsteht durch die Osmose: Zu viel Salz im Körper zieht durch die Membranen das Wasser aus den Zellen heraus. Die LD50-Dosis (also die Menge, bei der die Hälfte der Personen sterben würde) beträgt etwa drei Gramm pro Kilo Körpergewicht. Das heißt: Ein Kleinkind kann von einem großen Esslöffel Salz (20 Gramm) sterben, ein Erwachsener müsste innerhalb von 24 Stunden schon mehr als 10 Esslöffel Salz futtern. Das schafft wohl niemand freiwillig. Trotzdem ist es erstaunlich, dass die lebensnotwendige und die tödliche Tagesration beim Salz sich nur um den Faktor 100 unterscheiden.
Das Salz entwässert die Körperzellen, die Organe schrumpfen. Es kommt zu fürchterlichen Krämpfen, Lähmungen. Schließlich fällt der Patient ins Koma, stirbt. Im alten China war übermäßiger Salzverzehr sogar als Selbstmordmethode bekannt.

"Alle Dinge sind Gift und nichts ist ohne Gift; allein die Dosis machts, dass ein Ding kein Gift ist."

Philippus Aureolus Theophrastus Bombast von Hohenheim, genannt Paracelsus, (1493-1541), deutscher Arzt und Chemiker.
 

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