"Die Wunderdroge EPO"

Lance Armstrong

(Tour de France '99)

Die Schlagzeile:

Skandal im Radsport? Der siebenfache Gesamtsieger der Tour de France Lance Armstrong soll 1999 bei seinem ersten Sieg mit "EPO" gedopt gewesen sein.

L.Armstron, der größte Radfahrer aller Zeiten, sieht sich neuen Dopingvorwürfen ausgesetzt. Seit der Rückkehr des Texaners ins Geschäft nach der Krebserkrankung 1997 gibt es immer wieder Anschuldigungen. Jetzt spricht die angesehene Sportzeitung "L'Equipe" von der "Lüge Armstrong". In den 1999 nach Armstrongs erstem Tour- Sieg eingefrorenen Urinproben sei 2004 mehrfach das Blutdopingmittel Erythropoetin nachgewiesen worden.
Mehrere Spitzenathleten im Leistungsausdauersport haben sich in den letzten Jahren durch EPO- Missbrauch einen unerlaubten Vorteil verschafft. Wie ein roten Faden zieht sich das Blutdoping durch die jüngste Sportgeschichte. Erst seit den Olympischen Spielen 2000 in Sydney ist es in Laboren nachweisbar. Lance Armstrong, der im Sommer 2005 nach dem siebten Sieg der Tour de France seine Karriere beendet hat, wird ohne Strafe davon kommen. Die B- Probe von 1999 wurde sechs Mal positiv getestet, doch eine Gegenprobe existiert nicht mehr.

 

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Erythropoetin (Erythropoietin) Abk. EPO

ist ein in der Niere gebildetes Hormon, das die Bildung roter Blutkörperchen (Erythropoese) fördert. Erythropoetin ist ein Glykoprotein, es steigert die Zellteilung und den Stoffwechsel von Erythrozytenvorläuferzellen. Erythropoetin wird heute gentechnisch gewonnen und u.a. zur Behandlung von Patienten mit Blutarmut eingesetzt. Die Möglichkeit, mit einer Erythropoetinbehandlung die Erythrozytenzahl und damit die Sauerstofftransportkapazität des Blutes zu steigern (erkennbar an einem erhöhten Hämatokritwert), und die Tatsache, dass es eine im Körper selbst gebildete Substanz ist, hat Erythropoetin zu einem weit verbreiteten Dopingmittel im Ausdauersport, z.B. bei Radfahrern, werden lassen.

Erythropoietin (EPO) ist ein Glycopeptidhormon, das die Bildung der Erythrozyten in Abhängigkeit vom Sauerstoffbedarf in den Stammzellen des Knochenmarks steuert. EPO wird überwiegend im Nierengewebe produziert. EPO besitzt ein Gerüst von Aminosäuren, an denen an vier Stellen verschiedene glycosidische Reste gebunden sind. Aufgrund der Vielfältigkeit dieser Zuckerreste gibt es unterschiedliche EPO- Formen, die zwar alle eine physiologisch vergleichbare Wirkung zeigen, aber geringfügige Unterschiede im Hinblick auf ihre physikalischen und chemischen Eigenschaften aufweisen. Das gentechnisch hergestellte, rekombinante EPO (rhEPO) stimmt mit dem natürlichen EPO im Aminosäuregerüst überein. Es zeigen sich jedoch geringfügige Unterschiede in der Glycosidierung.
Die Erhöhung der Erythrozytenanzahl bewirkt eine Steigerung der speicherbaren Sauerstoffmenge pro Blutvolumenanteil und als Folge davon eine Verbesserung der Sauerstofftransportkapazität und eine Steigerung der Ausdauerleistung. Ein vergleichbarer Effekt wird durch Höhentraining erzielt.
Da der Bildungsort von EPO in der Niere liegt, sind Menschen mit Nierenversagen anämisch. Während Patienten mit totalem Nierenversagen bis Ende der achtziger Jahre mit Bluttransfusionen und Erythrozytenkonzentraten behandelt wurden, werden sie seit der Marktfreigabe von rhEPO Ende der achtziger Jahre mit diesem Arzneimittel behandelt. Auch Anämien aus anderer Genese können in vielen Fällen mit rhEPO gebessert werden. Dass selbst bei völlig intakter endogener EPO-Produktion durch EPO-Therapie eine zusätzliche Stimulation der Erythropoese induziert werden kann, wird bei Eigenblutspendern ausgenutzt. Alternativ zur Erythrozytentransfusion ist rhEPO außerdem hochdosiert als Antianämikum bei chronischer Polyarthritis, AIDS, Tumoren und operativen Eingriffen wirksam. Eine bisher nicht aufgeklärte
Nebenwirkung der therapeutischen rhEPO-Verabreichung ist eine Blutdruckerhöhung.
Aufgrund seiner Auswirkungen auf die Sauerstoffspeicherungs- und -transportkapazität hat der rhEPO- Einsatz in Sportarten, die vom aeroben Stoffwechsel profitieren, eine leistungssteigernde Wirkung. Beispielsweise sind dies in der Leichtathletik die Laufstrecken ab 800 m sowie der Skilanglauf und Radrennsport generell.

RhEPO ist ein weitgehend nebenwirkungsfreies Medikament. Eine übermäßige, unkontrollierte Einnahme von rhEPO führt allerdings zu einer Erhöhung der Blutviskosität und damit einer Zunahme der Verklumpungs- und Thrombosegefahr.

Der Nachweis   [Abb. oben]

Weil es sich bei EPO um eine körpereigene Substanz handelt, hielten auch erfahrene Dopinganalytiker zunächst den direkten Nachweis und die Trennung des natürlichen vom künstlichen Hormon im Urin für unmöglich. Françoise Lasne und Jacques de Ceaurriz vom Pariser Dopinglabor gelang 2000 schliesslich die Anpassung einer molekularbiologischen Standardmethode (isoelektrische Fokkusierung) an die speziellen Bedürfnisse des EPO- Nachweises. Entscheidend für den Durchbruch war die Erkenntnis, dass sich das künstlich in Kulturen aus Eierstockzellen des chinesischen Hamsters fabrizierte EPO in ganz geringen Details seiner Eiweißstruktur vom natürlichen, in der menschlichen Niere produzierten EPO unterscheidet. Wie die überarbeitete Originalabbildung aus dem Pariser Labor zeigt, finden sich im Urin von mit EPO behandelten Personen Eiweißbestandteile, die sonst nur in den aus Zellkulturen gewonnenen Medikamenten vorkommen. Die Hamsterzellen haben gewissermaßen ihr Markenzeichen hinterlassen und so den direkten Beweis für die Zufuhr des künstlichen Hormons möglich gemacht. Im Labor werden die zu untersuchenden Urinproben gemeinsam mit Vergleichsproben aus natürlichem und künstlichem EPO in parallelen Spuren auf ein Gel aufgetragen und einem elektrischen Feld ausgesetzt. Nach einer kombinierten immunologisch- radioaktiven Färbungsreaktion erscheint in jeder der Spuren ein Muster mit Banden, welche sich je nach den elektrochemischen Eigenschaften der nachzuweisenden EPO- Form in einem anderen pH- Bereich befinden. Zuletzt wird die optische Dichte der einzelnen Banden bestimmt und daraus die prozentuale Verteilung zwischen natürlichem und fremdem EPO berechnet. Um falsche positive Ergebnisse
mit Sicherheit auszuschließen, wurde die Grenze für einen positiven EPO- Test auf 80% festgelegt.