Diabetes mellitus - Die Volkskrankheit des 21. Jahrhunderts

Ein verspäteter Beitrag zum Weltdiabetikertag (14.11.):
An der Zuckerkrankheit starben 2005 in Deutschland 24 342 Menschen. Das waren 29 Prozent mehr als 1980 (18 895 Tote), als erstmals Daten für Gesamtdeutschland vorlagen. Diabetes mellitus ist in Deutschland inzwischen verantwortlich für knapp drei Prozent aller Sterbefälle (1980: zwei Prozent). Eine Ursache für die Zunahme der Diabetes-Todesfälle seit 1980 sieht man in der steigenden Zahl älterer Menschen. Fast 94 Prozent derjenigen, die 205 an einem zu hohen Blutzuckerspiegel starben, waren 60 Jahre und älter. Knapp zwei Drittel der Diabetiker-Toten waren Frauen. Bundesweit lag das Sterbealter im Fall von Diabetes 2005 im Schnitt bei 79,3 Jahren. Fachmediziner nennen als weitere Ursachen zu wenig Bewegung und ungesunde Ernährung. Die meisten Diabetiker-Toten je 100 000 Einwohner gab es 2005 in Thüringen (66,3), die wenigsten in Brandenburg (18,3).


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Literatur: 
V. Drebing: Diabetes u. Folge-Erkrankungen, 2004
P. Hien u. B. Böhm: Diabetes-Handbuch. Eine Anleitung für Praxis u. Klinik, 2005
G. Hoffbauer: Das große Diabetes-Lexikon, 2005
Thomas, A.: Das Diabetes-Forschungs-Buch. Mainz, 2004
Schmiedel, V.: Typ-2-Diabetes. Heilung ist möglich. Stuttgart, 2004
Nauck, M., et al.: Kursbuch Diabetologie. Mainz, 2005
Heseker, B. / Heseker, H.: Die aktuelle Lebensmitteltabelle für Diabetiker Typ-1 und Typ-2, 2004
Haller, N.: Die erfolgreiche Diabetesschulung. München, 2005

Die Krankheit:
Diabetes mellitus ("honigsüßer Durchgang") liegt entweder eine beeinträchtigte Insulinsekretion oder eine verminderte Insulinwirkung zugrunde. Sie kann Augen, Nieren, Herz und Gliedmaßen schädigen und Risiken für die Schwangerschaft (Missbildungen, Fehlgeburten) bergen. Bei entsprechender Behandlung können diese Komplikationen jedoch vermieden werden.  Grundsätzlich werden bei Diabetes mellitus zwei Formen unterschieden: Der Typ 1, bei dem der Patient zum Überleben Insulin spritzen muss tritt in der Mehrzahl der Fälle schon bei Kindern und Heranwachsenden auf und wird zu den Autoimmunkrankheiten gezählt. Er setzt plötzlich ein und schreitet rasch fort. Der Typ 2 kommt meist bei Menschen über 40 Jahren vor, in zunehmendem Maß aber auch bei Jüngeren, darunter vor allem bei übergewichtigen Jugendlichen. Auslösende Faktoren neben Übergewicht sind Fehlernährung und Bewegungsmangel, zusammen mit einer genetischen Veranlagung. Bei dieser Diabetesart kann eine Ernährungsumstellung und Gewichtsreduktion bereits eine wirksame Therapie sein. Die menschliche Bauchspeicheldrüse, genauer die b-Zellen der Langerhans’schen Inseln, produzieren das Hormon Insulin, das die Aufnahme von Glucose in die Zellen der Körpergewebe fördert, so dass Energie für die körperlichen Aktivitäten zur Verfügung steht. Bei einem Diabetiker ist diese Glucoseabsorption gestört, entweder aufgrund ungenügender Insulinproduktion oder durch Veränderungen der Rezeptorzellen. Als Folge steigt der Blutzuckerspiegel, so dass der Überschuss im Harn ausgeschieden wird. [*]

Lichtmikroskopische Aufnahme einer Langerhans’schen Insel in der Pankreas

Insulin ist ein zweikettiges Polypeptid, dessen A-Kette aus 21 Aminosäure-Resten mit einer B-Kette aus 30 Aminosäure-Resten über 2 Disulfid-Brücken verbunden ist.


Der kanadische Arzt Sir Frederick Grant Banting

Banting fand gemeinsam mit dem Studenten Charles H. Best das Mittel gegen Diabetes. Die von ihnen aus der Bauchspeicheldrüse isolierte Hormonsubstanz wurde Insulin genannt. 1922 wurde Insulin erstmalig erfolgreich am Menschen angewandt. Für diese Leistung erhielt Banting 1923 den Nobelpreis für Physiologie oder Medizin. Das Preisgeld teilte er mit Best, der die Ehrung offiziell nicht erhielt.

Gentechnik: Das erste von Bakterien produzierte Medikament war menschliches Insulin zur Behandlung der Zuckerkrankheit. Es kam im Jahr 1982 in den USA auf den Markt und machte Diabetes-Patienten von dem aus Schweinen oder Rindern gewonnenen Insulin unabhängig. [*]