Vater werden ist nicht schwer,

Vaterschaftstests dagegen sehr...

"Es sei wichtiger, dass das Kind in intakten Familienverhältnissen aufwächst, als das ein Vater bezüglich der Vaterschaft Gewissheit hat und so eventuell das Zusammenleben schädigt. Das Wohl des Kindes steht über dem Recht des Vaters, Gewissheit zu haben ..."

Bundesjustizministerin Brigitte Zypries (SPD)

 

Bei der heutigen liberalen Sexualmoral bekommen immer mehr Väter Zweifel an ihrer Vaterschaft . Es gibt Schätzungen, dass 5 - 10 % aller Kinder nicht von dem vermeintlichen Vater stammen.
 

  • Um eine Vaterschaft vor Gericht anerkennen bzw. aberkennen zu lassen, muss ein Vaterschaftsgutachten vorgelegt werden. Denn hier muss durch eine autorisierte Person die Identität der betroffenen Personen mittels Ausweis und Fingerabdrücken, bei Kindern mittels Geburtsurkunde und Finger- oder Fußabdruck, festgestellt werden. Einige Gerichte bestehen zusätzlich zu der DNA-Analyse auf einer Blutgruppenanalyse. Diese wird erst ab einem Mindestalter von 9 Monaten durchgeführt, da die Blutgruppensysteme vorher nicht sicher bestimmt werden können. Diese Blutgruppentests sind keine Gentests, sondern Tests auf bestimmte Proteine.
  • Bei einem Vaterschaftstest ist eine eindeutige Identität der betroffenen Personen nicht nötig. Er ist somit nicht vor Gericht anerkannt, bietet aber die Möglichkeit, sich ohne langwierige Gerichtsverfahren Klarheit über eine Vaterschaft zu verschaffen. Bei einem Test wird nur eine DNA-Analyse, jedoch keine zusätzliche Blutgruppenanalyse, durchgeführt.

    Bei beiden Nachweismethoden werden bestimmte Teile der DNA, die keine proteincodierenden genetischen Informationen enthalten, auf den erforderlichen Grad der Übereinstimmung getestet. Dies geschieht mittels der Polymerase-Kettenreaktion (PCR). In der Regel werden an den genannten DNA-Teilen 12 bis 16 Genorte (loci) auf Übereinstimmungen untersucht. Eine DNA-Analyse wird in der Regel anhand von Blut, Schleimhautabstrichen oder Haarwurzeln erstellt. Die am häufigsten verwendete Methode ist jedoch die mit Schleimhautabstrichen. Das Alter des Kindes spielt dabei keine Rolle. Es können daher auch Neugeborene getestet werden.

Testablauf:
Der Test erfolgt in der Regel auf der Grundlage von Mundschleimhautabstrichen von Vater, Kind und möglichst auch von der Mutter.
Sollten nur Proben von Vater und Kind vorliegen (Defizienzfall) ist der Test mit einem größeren Aufwand bei möglicherweise geringerer Genauigkeit machbar.
Die Mundschleimhautabstriche werden in der Regel mittels Wattestäbchen gewonnen.
Der Test erfolgt entsprechend den Erkenntnissen der Molekularbiologie nach der PCR-Methode (=Polymerase-Ketten-Reaktion).
Genauigkeiten des Tests:
Zur Durchführung des Tests werden im Normalfall drei Proben (Vater, Kind und Mutter) benötigt. Damit ist eine nahezu sichere Feststellung der Vaterschaft (>99,9%) oder aber ein sicherer Ausschluss der Vaterschaft (100%) möglich. Wenn nur Proben von einem Elternteil (z.B. Vater und Kind) vorliegen, ergibt sich in der Regel ebenfalls ein genügend hoher Aussagewert . Dieser Fall wird als Defizienzfall bezeichnet.
Die Vaterschaft gilt als praktisch erwiesen, wenn die Wahrscheinlichkeit den erwähnten Wert von 99,9% erreicht bzw. überschreitet. Die genauen Werte werden im Testergebnis differenziert kommentiert. Dabei ist, wie erwähnt, ein Ausschluss einer Vaterschaft eine Tatsache, die 100%-ig ist und daher keiner Statistik unterliegt.
 

Heimliche Vaterschaftstests:

Am 12. Januar 2005 entschied der Bundesgerichtshof, dass heimliche Vaterschaftstests nicht als Beweis vor Gericht zulässig sind. Derartige Test verletzten das Persönlichkeitsrecht des Kindes. Männer, die vor Gericht ihre Vaterschaft anfechten wollen, müssen andere konkrete Verdachtsmomente nennen und dürfen sich nicht auf das Testergebnis berufen. Ein solcher konkrete Verdacht kann etwa sein, dass das Kind einem anderen Mann ähnlich sieht, zu dem die Mutter im fraglichen Zeitraum der Empfängnis des Kindes Kontakt hatte. Daraufhin kann ein Richter einen Vaterschaftstest anordnen. Das Ergebnis dieses gerichtlich angeordneten Tests gilt dann als Beweis.

Im geplanten Gendiagnostikgesetz sollen ab 2006 Vaterschaftstests ohne Einverständnis beider Eltern verboten werden. Das geplante Verbot ist umstritten. Inzwischen gibt es eine Petition beim Bundestag gegen das Verbot.

Heimliche Vaterschaftstests sind vor Gericht als Beweismittel unzulässig. Das hat der Bundesgerichtshof (BGH) entschieden. Nach dem Grundsatzurteil verletzt ein Gentest, der ohne Einwilligung der Betroffenen zu Stande kam, das Persönlichkeitsrecht des Kindes. Damit können Männer ihre Vaterschaft nicht unter Berufung auf solche Tests anfechten, sondern müssen andere konkrete Verdachtsmomente nennen, die Zweifel an ihrer Vaterschaft wecken. (Aktenzeichen: XII ZR 60/03 u. 227/03 vom 12. Januar 2005). Das Karlsruher Gericht bestätigte zwei Urteile der Oberlandesgerichte Celle und Jena, in denen es um die Abstammung eines 1994 geborenen Mädchens beziehungsweise eines 1986 geborenen Sohnes ging. Die Anwältin des Thüringer Klägers kündigte am Mittwoch den Gang zum Bundesverfassungsgericht an. «Ich werde das meinem Mandaten empfehlen, denn es geht um eine Abwägung von Grundrechten», sagte die Anwältin. Das Urteil bezeichnete sie als «verfehlt». Es bleibe die Unsicherheit und es werde zu einer Klageflut kommen. Solche Klagen würden aber das persönlichen Verhältnis der Beteiligten stärker in Mitleidenschaft ziehen als heimliche Tests. Außerdem werde die Entscheidung dazu führen, dass sich Männer eine Vaterschaftsanerkennung mehr als nur drei Mal überlegten. Ihr Mandant hatte 2001 die Vaterschaft seines damals 15-jährigen Sohnes abgestritten und dazu ein Gutachten zu einem heimlich beschafften Haar vorgelegt. Wenn dieses Haar von dem Jungen stamme, sei er nicht der Sohn des Mannes, stellte das Labor fest. Die Mutter bestritt nach Angaben des Amtsgerichts Erfurt aber, dass das Haar von ihrem Sohn stamme. Sowohl das Amtsgericht als auch das Oberlandesgericht Jena hatten entschieden, dass die Genanalyse nicht als Beweismittel dienen dürfe, da das Interesse des Mannes an Klärung der Vaterschaft hinter dem Persönlichkeitsrecht des Kindes zurückstehen müsse. Der Mann hatte 1989 schriftlich eine Vaterschaft für den damals Dreijährigen anerkannt und sich zu Unterhalt verpflichtet. 2001 sei er von seiner Schwester auf fehlende Ähnlichkeit mit dem Jungen hingewiesen worden und hatte gleichzeitig von der Möglichkeit eines genetischen Vaterschaftstests erfahren. Das Paar lebt nach Angaben der Anwältin schon immer getrennt, der Mann aus der Nähe von Erfurt habe sich aber immer um den Jungen gekümmert. Nach den Worten des BGH-Familiensenats verstößt die Untersuchung des genetischen Materials eines anderen Menschen ohne dessen ausdrückliche Zustimmung gegen das Grundrecht auf «informationelle Selbstbestimmung», also die Befugnis, selbst über die Verwendung persönlicher Daten zu verfügen. Das Interesse des Mannes, Gewissheit über seine biologische Vaterschaft zu erlangen, sei nicht vorrangig. Damit seien heimliche Tests rechtswidrig und dürften vor Gericht nicht verwendet werden. Dies gelte unabhängig vom Ausgang des aktuellen Gesetzgebungsvorhabens, mit dem Bundesjustizministerin Brigitte Zypries (SPD) heimliche Gentests unter Strafe stellen will. Die CDU-Bundestagsabgeordnete Ute Granold begrüßte das Urteil. Es zeige den gesetzgeberischen Handlungsbedarf. Zugleich bedeute es aber keinen Automatismus, die Tests grundsätzlich zu verbieten. Entscheidend sei vielmehr, den Missbrauch im Umgang mit Gendaten auszuschließen. Die Karlsruher Richter stellten zugleich klar, dass heimliche Tests auch nicht dazu genutzt werden können, um ein Verfahren zur Anfechtung der Vaterschaft überhaupt erst in Gang zu bringen. Dazu müsse der angebliche Vater «konkrete Umstände» nennen, die seine Zweifel an der Vaterschaft als «nicht ganz fern liegend» erscheinen ließen. Auch die verweigerte Zustimmung der Mutter zu einem Test könne einen solchen «Anfangsverdacht» nicht begründen. Die Gerichte lassen dafür normalerweise den bloßen Hinweis auf mangelnde Ähnlichkeit nicht genügen. Kann der Mann dagegen belegen, dass die Frau in der fraglichen Zeit mit anderen Männern intim war, ist eine Anfechtung möglich. In solchen Prozessen holen die Gerichte selbst Abstammtungsgutachten ein. Granold plädierte dafür, die Hürden für eine Vaterschaftsanfechtung zu senken.

 

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Mit einer Spezialpipette wird in einem auf Vaterschaftstests spezialisierten Labor Flüssigkeit aus einem Probenbehälter entnommen

Ausgangspunkt ist die Erstellung sogenannter genetischer Fingerabdrücke ("Fingerprints"). Das sind Muster auf molekularer Ebene, die für jeden Menschen einzigartig sind. Das geschieht nach der STR-PCR-Methode. STR ("short tandem repeats") sind DNA-Muster mit fester Abfolge des genetischen Codes, die sich unterschiedlich häufig wiederholen. Bei jedem Individuum ist ihre Anzahl unterschiedlich. So entstehen unterschiedlich lange STR an jedem Genort (siehe Abb.). Die Anzahl dieser Wiederholungen werden vererbt, so dass Aussagen über Verwandtschaftsverhältnisse möglich werden. Die Länge der STR und somit die Anzahl der Wiederholung der Muster wird durch die sogenannte Polymerasekettenreaktion (polymerase chain reaction, PCR) mit anschließender optischer Detektion durch hochauflösende Analysegeräte bestimmt.

Schaubild eines Genortes im Vergleich von Mutter, Kind, möglichem und unmöglichem Vater. Der genetische Code wird durch die unterschiedlichen Farben symbolisiert

Sind bei allen Genorten Übereinstimmungen in Länge und Wiederholungen vorhanden, gilt die getestete Person als möglicher Vater. Und zwar mit einer überzeugenden Ergebnissicherheit von mind. 99,9999% bei einer Untersuchung von bis zu 25 Genorten.