"Die Eiskinder"

Eizelle ist von Spermien umgeben (mikr. Bild)

Die Schlagzeile:

"Aufgetauter Eis- Embryo geboren"

13 Jahre nach der Geburt ihrer Zwillinge Jeffrey und Garleigh hat eine 45- jährige Kalifornierin noch ein Drillingstöchterchen Laina zur Welt gebracht. Alle 3 Kinder stammen von demselben künstlichen Befruchtungsvorgang ab. 1991 wurden mehrere Eizellen von Debbie Beasley mit dem Samen ihres Ehemanns Kent befruchtet und einige der entstandenen Embryonen tiefgefroren. Künftig könnten tiefgefrorene Embryonen wohl auch nach 50 bis 100 Jahren aufgetaut und einer Frau eingepflanzt werden. Derzeit lagern in den USA in Instituten und Laboratorien ungefähr eine halbe Million Embryonen auf Eis gekühlt

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


Embryotransfer in die Gebärmutter nach IVF

Die In-vitro-Fertilisation (IVF) lateinisch für "Befruchtung im Glas" ist eine Methode zur künstlichen Befruchtung
[IVF und Embryonentransfer]:

Die Befruchtung findet außerhalb des Körpers statt. Die entnommenen reifen Eizellen (nach Hormonbehandlung) aus dem Eierstock der Frau und das männliche Sperma werden im Glas vermischt. 16 bis 18 h später wird die Eizelle in ein neues Nährmedium gebracht. Anschließend wird unter dem Mikroskop geprüft, ob eine Befruchtung stattgefunden hat. Nach etwa 2 Tagen werden die vier- bzw. achtzelligen Embryonen durch einen Katheter in die Gebärmutter eingespült, die vorher hormonell auf die Einnistung vorbereitet wurde. Die restlichen Embryonen können durch Kryokonservierung bei etwa minus 190 Grad in flüssigem Stickstoff konserviert werden.
Abwandlungen der IVF sind der intratubuläre Gametentransfer (GIFT), bei dem Ei- und Samenzellen, die vorher entnommen wurden, in einen Eileiter gespritzt, der intratubuläre Zygotentransfer (ZIFT), bei dem befruchtete Eizellen (Zygoten) in einen Eileiter übertragen werden und die intracytoplasmatische Spermieninjektion (ICSI), bei der durch Mikroinjektion ein Spermium in das Cytoplasma einer Eizelle übertragen wird.

Quo vadis Reproduktionsmedizin ?

In der Reproduktionsmedizin ist Manches, was technisch machbar erscheint, juristisch und ethisch bedenklich und umstritten.

Adoption von gefrorenen Embryos scheitert am deutschen Embryonenschutzgesetz


Auf jedes Neugeborene, das zur Adoption freigegeben wird, kommen in Deutschland vier Elternpaare. Reproduktionsmediziner halten daher die Adoption von gefrorenen Embryonen - wie etwa in den USA schon praktiziert - für eine prinzipiell sinnvolle Alternative.

Deutsches Recht:

In Deutschland ist die IVF zulässig, wenn bei einem Paar ein Jahr lang trotz regelmäßigen Geschlechtsverkehrs die Schwangerschaft ausbleibt.
Es dürfen nicht mehr Embryonen (max.3) erzeugt werden, als innerhalb eines Zyklus auf eine Frau übertragen werden. Leihmutterschaft ist verboten. Es darf keine Befruchtung von Eizellen zu anderen Zwecken als der Schwangerschaft erfolgen. Der Verkauf und Erwerb von Embryonen ist untersagt. Auch das Aufbewahren von Embryonen ist in Deutschland verboten. Statt dessen werden Zellen im so genannten Vorkernstadium, vor der endgültigen Verschmelzung von Ei- und Samenzelle, kryokonserviert. Die Auswahl des Geschlechts des zukünftigen Kindes vor dem Embryotransfer ist untersagt. (Ausnahme: Verdacht auf geschlechtsgebundene Erbkrankheiten) Eine künstliche Befruchtung darf nur nach Einwilligung beider Ehepartner erfolgen. Die Besamung einer Eizelle mit den Spermien eines Toten ist nicht gestattet. Das Klonen von Embryonen, Feten, lebenden und verstorbenen Menschen ist verboten. Auch die Präimplantationsdiagnostik (PID) zum Erkennen genetischer Defekte bei der künstlichen Befruchtung ist bei uns bisher noch nicht zugelassen. Die Herstellung embryonaler Stammzellen ist verboten, der Import und die Forschung dagegen sind erlaubt.

"Freeze or dispose"

Vor diese Alternative werden Paare in den USA gestellt, wenn sie entscheiden sollen, was mit ihren überzähligen Embryonen aus einer künstlichen Befruchtung geschehen soll. Die "Christian Adoption and Family Services" bietet die Vermittlung der Embryonen an Paare an, denen auch eine IVF oder ICSI nicht helfen kann, ein Kind zu bekommen. Bei dieser Adoption geben die genetischen Eltern jegliche Rechte an ihrem Embryo auf. Es handelt sich um eine Eigentumsübertragung - wie beim Autokauf.

Vater zeugt eigenen Enkel 

Ist es ethisch vertretbar, dem Vater eines infertilen Patienten zu erlauben, mittels Samenspende und In-vitro-Fertilisation ein Kind zu zeugen und damit zum biologischen Vater seines eigenen Enkels zu werden? Während Patienten in Japan und Amerika schon seit längerem regelmäßig Samenspenden aus der eigenen Familie für IVF benutzten, um so die Blutsverwandtschaft nicht zu unterbrechen, sei die Methode in Europa bislang nur wenig verbreitet.

Mutter und Großmutter in einem

Die 46jährige Amerikanerin Helen B. wünschte sich mit ihrem zweiten Ehemann Peter vergeblich ein Kind. Sie bat ihre Tochter aus erster Ehe um eine Eizellspende. Diese Eizelle wurde mit Peters Sperma befruchtet und nach der Teilung auf Helen übertragen. Nach 9 Monaten gebar sie William. Helen ist nun Williams Mutter, da sie ihn geboren hat. Genetisch gesehen ist sie gleichzeitig seine seine Großmutter, da die Eizelle von Helens Tochter stammte. Gleichzeitig ist die Tochter einerseits die Schwester, andererseits die genetische Mutter von William.

Historie:

1799 erste künstliche Besamung beim Menschen (engl. Arzt HUNTER)
1978 Louise Joy Brown, das erste Retortenbaby, wird geboren
1991 Gesetz zum Schutz von Embryonen (Embryonenschutzgesetz) in Dt. (s.o.)
1993 HALL gelingt es menschliche Embryonen zu klonen
1999 in den USA wird das erste gentechnisch veränderte Kind geboren
2000 das menschliche Genom ist entschlüsselt ; in England wird das therapeutische Klonen zur Erzeugung embryonaler Stammzellen erlaubt

Links:

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Embryotransfer = Übertragung eines Embryos in die Gebärmutter
Fertilisation =
Befruchtung
Gameten =
Geschlechtszellen
Genom =
Gesamtheit der vererbbaren DNA eines Organismus
GIFT =
Übertragung von Ei- u. Samenzellen in einen Eileiter
ICSI =
Übertragung eines Spermiums in die Eizelle
in vitro =
im Glas, außerhalb des lebenden Organismus
IVF =
Befruchtung außerhalb des Körpers
Kryokonservierung=
Tiefgefrierung und Lagerung von Zellen in flüssigem Stickstoff
Mikroinjektion =
Methode zum Einschleusen von Erbgut in eine Zelle bzw. in einen Zellkern
PID =
Verfahren zum Nachweis genetisch bedingter Krankheiten an künstlich befruchteten Eizellen bzw. Embryonen vor der Einnistung in die Gebärmutter
Retorte =
Glasbehälter, "künstlich"
ZIFT =
Übertragung von Zygoten in einen Eileiter
Zygote =
befruchtete Eizelle