Was ist eigentlich "Weihrauch" ?

Eine weitere Betrachtung zu "Heilige Drei Könige"

 


[arabischer Weihrauch]

Weihrauch - Harz

Weihrauch (Thus, Incensum, Olibanum):

ist das Gummiharz aus der Rinde der Weihrauchbäume (Boswellia-Arten). Es wird durch Einschnitte in die Rinde oder durch Extraktion mit organischen Lösungsmitteln gewonnen. Weihrauch erstarrt an der Luft zu Körnern, die aufgrund ihrer wohlriechenden Inhaltsstoffe (Harze, ätherische Öle u .a.) bei Erhitzen einen aromatischen Duft entwickeln. Er diente in altorientalischen und antiken Kulten als Räuchermittel. Die Ägypter verwendeten ihn auch als Heilmittel und zum Einbalsamieren. Im Neuen Testament gehört er zu den kostbarsten Gaben der Weisen aus dem Morgenland (Matthäus 2,11). In den christlichen Kirchen wurde Weihrauch ab Ende des 4.Jahrhunderts als Ehrenerweis vor Bischöfen in Prozessionen, aber auch zur Luftverbesserung in Basiliken und Kirchen verwendet. Vom 5.Jahrhundert an ging sein Gebrauch in den christlichen Gottesdienst ein.

Das echte Weihrauchharz wird von der Weihrauchpflanze gewonnen. Sie gehört zu den Balsambaumgewächsen und umfasst mehrere Arten. Der Baum wächst in Trockengebieten um das Horn von Afrika, in Arabien und in Indien. Der Harz spendende Baum wird 1,50 bis 8,00 m groß, hat eine papierartig abblätternde Rinde und bildet bis zu 25 cm lange Blütentrauben aus.

Bedeutung:

Weihrauch ist ein körniges getrocknetes Harz, das schon bei den alten Ägyptern für kultische Zwecke, bei der Mumifizierung und als aromatisches, desinfizierendes und entzündungshemmendes Räuchermittel und Heilmittel in Gebrauch war. Es entwickelt beim Verglühen (Räuchern) einen aromatisch duftenden Rauch und wird in verschiedenen Religionen seit Mitte des ersten Jahrtausends bis heute bei Kulthandlungen verwendet, meist vermischt mit anderen Räuchermitteln wie z. B. Benzoe, Myrrhe, Galbanum, Zistrose, Styrax, Lorbeer u. a. Früher wurden auch andere Räucherharze als Weihrauch bezeichnet.

In der katholischen Liturgie wird Weihrauch vor allem in der Messe und in der Vesper verwendet. Der Altar und die eucharistischen Gaben, das Evangelienbuch (Evangeliar), der Priester und alle Gläubigen, auch die Osterkerze und die Weihnachtskrippe u. a. werden mit Weihrauch verehrt. Er ist dabei das Zeichen der göttlichen Gegenwart, des Opfers und der aufsteigenden Gebete der Gläubigen. Aus der Liturgie der evangelischen Kirchen wurde der Weihrauch verbannt, weil er mit der katholischen Lehre vom Opfercharakter der hl. Messe verbunden wurde. In der orthodoxen Liturgie und in der orientalischen Liturgie wird Weihrauch als Duft des Himmels verwendet. Nach alter orientalischer Vorstellung ist eine Gottesbegegnung mit einem Dufterlebnis verbunden.

Links:           1       2        3        4        5        6        7        8        9

Literatur:   Sauer,R.  Weihrauch, Falken Verlag
                     Schrott,E. Weihrauch,  Aurum Verlag

 

Boswellia carteri
[somalischer Weihrauch]

 


 

Das Weihrauchschiffchen oder kurz Schiffchen [Naviculum] ist ein Gefäß, in dem während des Gottesdienstes der Weihrauch aufbewahrt wird. Das Schiffchen ist meist ein kleines schalenförmiges Gefäß mit Deckel, das aus Metall besteht. Zu ihm gehört ein kleiner Löffel, mit dem die Weihrauchkörner vom Schiffchen in das Weihrauchfass gelöffelt werden können. Diesen Vorgang nennt man Einlegen. Das Schiffchen wird von einem Ministranten, dem Navikular getragen, der stets den Thuriferar, den Träger des Weihrauchfasses begleitet.


 

Das Weihrauchfass [Thuribulum] ist ein 2-teiliges Fass an einer Kettenkonstruktion, das zur Verbrennung von Weihrauch in Gottesdiensten verwandt wird. Manche Weihrauchfässer sind so groß, dass sie in der Kirche oder an einem Gestell fest installiert werden müssen. Durch gezieltes Ziehen an einer Kette kann man diese Fässer weit in die Kirche schwingen lassen.

Rau- oder Rauchnächte


[wohl zu rau in der alten Bedeutung »haarig«, »behaart« (in Anspielung auf die mit Fellen bekleideten Dämonengestalten)] (Rauchnächte, veraltet: Rauhnächte), in Süddeutschland und Österreich drei der nach dem Volksglauben von Spuk erfüllten mittwinterlichen Zwölf Nächte, und zwar die erste (vom 25.12.), die mittlere (Neujahrsnacht) und die letzte (zum 6.1.; Percht); meist um eine vierte, die Thomasnacht (zum 21.12.), zum Teil auch schon die Andreasnacht (zum 30.11.) erweitert.

In diesen Nächten wurden Haus, Hof und Amtsgebäude mit Weihrauch eingeräuchert, um Dämonen zu vertreiben; ursprünglich gingen in den Raunächten auch die Perchten um, mancherorts auch die Pelzer (mit Pelzen und Ähnlichem Vermummte).

 

Verkehrte Welt

Mit der Zwölfnacht vor Dreikönig enden die Raunächte »zwischen den Jahren«, in denen das Geisterreich offensteht, Gestalten wie Percht und Wilder Jäger ihr Unwesen treiben, die Seelen Verstorbener erscheinen und künftiges Geschehen im Traum sichtbar wird. Aus vorchristlichen Traditionen erhielt sich an diesem Tag noch bis ins Mittelalter das Prinzip der verkehrten Welt. Da hielten Narrenbischöfe in der Kirche die Messe ab, Geistliche tanzten unter Absingen obszöner Lieder herum, Diakone spielten Karten auf dem Altar und die Gläubigen tobten durch die Kirche. Dabei wurden lustvoll alle religiösen Tabus gebrochen.