Das Feuerkraut

Das bis 1,4 m hohe Schmalblättrige Weidenröschen [Epilobium angustifolium L.] aus der Familie der Nachtkerzengewächse, rot blühend (Stauden- Feuerkraut), wächst in lichten Gehölzen, auf Waldschlägen, an Flussufern und auf Felsschutt. Am Ende des Zweiten Weltkrieg ist die Pflanze als "Trümmerblume" volkstümlich geworden, als sie nach der Bombardierung der Städte auf den Trümmergrundstücken prächtig gedieh.
Weidenröschen besitzen schmale, längliche, gegenständige Blätter. Ihre Blüten sind gewöhnlich rosa gefärbt und besitzen je vier Kelch- und Kronblätter sowie meist acht Staubblätter. Viele Arten sind besonders häufig auf Kahlschlägen in Wäldern zu finden oder treten massenweise nach Waldbränden auf. Der Grund dafür sind ihre zahlreichen Samen, die im Boden ruhen und bei derartigen Störungen rasch zu keimen beginnen. Durch ihre unterirdischen Ausläufer bilden sie rasch größere Bestände. Manche Arten stellen daher auch lästige Unkräuter dar. Die Früchte der Weidenröschen sind schmale Kapseln, die sich mit vier Klappen öffnen und viele mit einem Haarbüschel versehene Samen entlassen, die durch den Wind verbreitet werden. Die Gattung Epilobium umfasst etwa 200 Arten krautiger Pflanzen, die vorwiegend in der gemäßigten Zone verbreitet sind.
 

Die Kennzeichen des Schmalblättrigen Weidenröschen:

Stängel aufrecht oder aufsteigend, meist einfach, rund oder etwas kantig, meist kahl, oft rot überlaufen.Blätter wechselständig, sitzend oder kurz gestielt, 2,5-20 cm lang und 0,4-3,5 cm breit (meist 1-2,5 cm breit), am Rand mit kleinen, schwieligen Zähnen, zuweilen zurückgerollt, unterseits blaugrün, mit hervortretenden Seitennerven; Stängelblätter meist allmählich in Hochblätter mit pfriemlicher Spitze übergehend.Blüten leicht zygomorph, 20-40 mm im Durchmesser, ohne oder mit kurzer Röhre, in endständigen, verlängerten, 20-50 cm langen, vielblütigen Trauben; Achsenbecher kurz oder nicht entwickelt; Kelchblätter lineal-lanzettlich, fast so lang wie die Blütenkronblätter, rötlich; Blütenkrone flach ausgebreitet, purpurrot (selten weiß), Blütenkronblätter kurz genagelt, verkehrt-eiförmig; Staubblätter am Grund verbreitert, zusammenneigend; Griffel 10-20 mm lang, abwärts geneigt, am Grund meist behaart; Narbe 4-teilig. Wuchshöhe: 0,5-1,2(-1,8) m. Frucht: Kapseln oft rot überlaufen, sehr kurz behaart. Samen 1-1,3 mm lang, länglich, glatt.Blüten: proterandrische Scheibenblumen mit verdecktem Nektar; die Trauben blühen von unten nach oben auf; Kron- und Kelchblätter bilden den Schauapparat.Insektenbestäubung: bei jungen Blüten dienen die Staubblätter als Anflugplatz, dabei wird der Pollen am Insektenunterleib abgestreift; sind die Staubbeutel verwelkt, krümmen sich die Staubblätter nach unten, der Griffel wird vorgestreckt und dient nun als Anflugplatz; dabei wird die Narbe mit Pollen beladen, den die Insekten von jüngeren Blüten mitbringen. Blütenbesucher sind besonders Apis mellifera L., Bombus-Arten und andere Hymenopteren. Pionierpflanze. Lichtkeimer. Blütezeit Juni bis August. Samen flugfähig (Schirmchenflieger). weitkriechendes Rhizom. Standort: frische, nährstoffreiche (Stickstoff), bevorzugt kalkarme Lehmböden, Halblichtpflanze, gelegentlich als Zierpflanze kultiviert



 

Nomenklatur:

Abteilung: Samenpflanzen (Spermatophyta)
Unterabteilung: Bedecktsamige Pflanzen (Angiospermae)
Klasse: Zweikeimblättrige Pflanzen (Dicotyledoneae)
Unterklasse: Rosenähnliche (Rosidae)
Ordnung: Myrtenartige (Myrtales)
Familie: Nachtkerzengewächse (Onagraceae)
Gattung: Epilobium (Epilobium)
Art: Schmalblättriges Weidenröschen (Epilobium angustifolium L.)

Wissenschaftliche Synonyme: Chamaenerion angustifolium (L.) Scop.;  Chamerion angustifolium (L.) Holub
Deutsche Synonyme: Schmalblatt-Weidenröschen, Wald-Weidenröschen, Waldschlag-Weidenröschen

Worterklärungen:

Epilobium: Name von Linné, zu griech. epi = auf (im Sinne von aufrecht) und lobion = Schötchen.
angustifolius = schmalblättrig, zusammengesetzt aus lat. angustus = eng, schmal und lat. folius = Blatt

In einem alten Lexikon heißt es über das Weidenröschen:

 Die Weidenröschen bedecken
Die Blöße mit Purpurpracht,
Durch rote Tannenstämme
Die goldene Sonne lacht.

Der Wind treibt goldene Wellen
Über den blauen See,
Ein großer goldener Vogel
Schwebt langsam auf zur Höh'.

Wir folgen ihm mit den Augen
Und sehen uns lächelnd an,
So hoch wie unsere Liebe
Er niemals fliegen kann.

Hermann Löns

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