Transplantierte Tollwut

Die Tollwut (Lyssa, Rabies, Hundswut), eine Zoonose,

ist eine weltweit verbreitete, in Deutschland bereits bei Verdacht meldepflichtige, akute Infektionskrankheit, die durch den Biss (auch Schleimhautkontakt) eines erkrankten Tieres auf andere Tiere und auf den Menschen übertragbar ist. Ihr Erreger ist das zu den Rhabdoviren gehörende Tollwutvirus. Während in tropischen Regionen nach wie vor Hunde das größte Erregerreservoir darstellen, sind dies in Europa Füchse, wobei wildernde Hunde und Katzen als Überträger fungieren. Eine Infektion führt immer zum Ausbruch der Krankheit. Die Inkubationszeit liegt beim Menschen zwischen drei Wochen und drei Monaten (bis zu einem Jahr) und ist am kürzesten bei Wunden an Kopf und Nacken. Während der Inkubationszeit ist der Nachweis der Krankheit weder serologisch noch virologisch möglich; eine Infektiosität erkrankter Tiere wird bereits 14 Tage vor Eintritt der Symptome angenommen. Eine ursächliche Behandlung der Tollwut ist nicht möglich; sie verläuft nach Ausbruch immer tödlich. Aufgrund der meist langen Inkubationszeit ist jedoch eine sofortige aktive Immunisierung mit fünf aufeinander folgenden Impfungen in der Regel erfolgreich; gleichzeitig wird meist mit der ersten Impfung eine passive Immunisierung mit Tollwutimmunserum vorgenommen. Der Prophylaxe dienen die regelmäßige Impfung von Hunden und Katzen, die Ausweisung von Sperrbezirken bei Auftreten von Wildtollwut und die Sanierung der Erregerreservoire, die teils durch Abschuss, teils durch Impfung der Füchse mithilfe von präparierten Ködern angestrebt wird.

Die aktuelle Nachricht:

Mehrere Patienten in Deutschland haben sich durch Organtransplantationen mit Tollwut infiziert. Die 26- jährige Spenderin, der nach ihrem Tod im Dezember letzten Jahres in der Mainzer Universitätsklinik Lunge, Nieren, Bauchspeicheldrüse, Leber und Augenhornhäute entnommen worden waren, hatte sich wahrscheinlich zuvor in einem Indienurlaub [mehrere Tausend Menschen sterben dort jährlich an Tollwut] infiziert, zeigte selbst aber keine Symptome. Die Frau hatte Heiligabend Kokain, Ecstasy und Speed zu sich genommen und dann einen Herzstillstand erlitten.

Die Tollwut beim Menschen:

Am Ende der Latenzzeit treten an der verheilten Bissstelle Reizungen und Schmerzen auf, und der umliegende Bereich fühlt sich taub an. Häufig treten Depressionen und Angstgefühle auf. Dieses Anfangsstadium dauert etwa zwei Tage. Dann folgt eine Phase der Reizbarkeit und Überempfindlichkeit. Der Patient hat allgemein starke Ängste, die sich durch das Einsetzen der ersten Atem- und Schluckbeschwerden noch verschlimmern. Durch krampfartige Kontraktionen von Zwerchfell und Kehlkopf kommt es zu Erstickungsgefühlen. Der Patient hat quälenden Durst, kann aber nichts trinken: Schon beim Anblick von Wasser treten Kehlkopfkrämpfe auf. Häufig steigt das Fieber in diesem Stadium bis auf 39 °C. In Mund und Rachen sammelt sich ein dickflüssiges, schleimiges Sekret; die betroffene Person spuckt es aus oder versucht zu husten. Dieses Stadium dauert etwa drei bis fünf Tage; am Ende tritt durch Krampfanfälle oder durch Herz- oder Atemstillstand der Tod ein. 2004 überlebte eine 15-jährige US-Amerikanerin als erster Mensch eine durch einen Fledermausbiss zugezogene Tollwuterkrankung, obwohl sie bereits schwere Krankheitssymptome gezeigt hatte. Sie war durch ein künstliches Koma und mit antiviralen Medikamenten behandelt worden.

Die Transplantation [lateinisch »Verpflanzung«]

ist das operative Übertragen von lebendem Gewebe zur Beseitigung eines Gewebedefektes, z.B. bei Hautverbrennungen oder von Organen zur Funktionsübernahme, z.B. Niere, Leber, Herz, Bauchspeicheldrüse (Organtransplantation). Neben Vitalität des Transplantats und optimaler Operationstechnik ist für das Anwachsen und die Funktion des Transplantats bei allogener und xenogener Transplantation die Übereinstimmung der Transplantationsantigene zwischen Empfänger und Spender entscheidend. Schon bei geringen Differenzen ist, abhängig von der Art des transplantierten Organs beziehungsweise Gewebes, der Erfolg der Transplantation durch den Selbstschutz des Organismus (Abstoßungsreaktion) gegenüber artfremdem biologischem Material (Transplantationsimmunität) zweifelhaft. Die weitgehende Übereinstimmung der Transplantationsantigene mindert die Gefahr der Transplantatabstoßung, der außerdem durch eine künstlich erzeugte Abschwächung der Immunreaktion des Empfängerorganismus (Immuntoleranz) begegnet wird. Von einer Einheilung kann nur gesprochen werden, wenn die überpflanzten Zellen erhalten bleiben, sich regenerieren und wenn es zu einem funktionellen Anschluss an den Empfängerorganismus kommt. Aufgrund medizinischer Gegebenheiten müssen in Verbindung mit der juristischen Problematik beim Organspender (Person, der Organe oder Organteile zu Transplantationszwecken entnommen werden) eine Reihe von Voraussetzungen erfüllt sein. Das Transplantationsgesetz vom 5.11. 1997 legt fest, dass entweder die persönliche Einwilligung des Organspenders oder die Zustimmung eines Angehörigen vorliegen muss. Der potenzielle Spender kann die Entscheidung auch einer namentlich benannten Person seines Vertrauens übertragen. Als Voraussetzung für eine Organentnahme ist der Ausfall der Gehirnfunktionen (Hirntod) vorgeschrieben.

Erreger sind Lyssaviren aus der Familie Rhabdoviridae
 



Ein Chirurg entnimmt diese Spenderniere einem Transportbehälter, wo sie in Salzlösung aufbewahrt wurde und in Eis verpackt war. Eine einzelne Niere reicht aus, um die Nierenfunktionen beim Empfänger aufrechtzuerhalten.
 

Literatur zum Thema Tollwut:

Bätza, H-J.: Tollwut, Gefahr für Mensch und Tier. Bonn 2000.

Borschel, G.: Vorsicht Tollwut. Tollwutbekämpfung im 19. und 20. Jahrhundert in Berlin. Berlin 2000.
 

Literatur zum Thema Transplantation:

Organtransplantation. Transplantation thorakaler und abdomineller Organe, herausgegeben von R. Pfitzmann. Berlin u.a. 2001.

Transplantation. Steigerung der Organverfügbarkeit, herausgegeben von E. Klar u.a. Basel u.a. 2002.
 

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