Seewespen = Feuer in Gelee

Chironex fleckeri

kann so groß wie ein Fußball werden. Ihre mehr als 60 Tentakel werden voll ausgestreckt über 3 m lang. Die hochtoxischen Nesselkapseln befinden sich an den Tentakeln. Die Tiere sind als aktive Räuber auf Fische spezialisiert, die gegen ihre Tentakel schwimmen. Während dieses kurzen Kontaktes muss das Gift appliziert werden, so dass die Beute fluchtunfähig wird und heftige Wehrbewegungen, die den gelatinösen Schirm schädigen könnten, ausbleiben.

Als "sea wasp" oder "box jelly fish" werden 2 extrem giftige Arten von Würfelquallen [ Chironex fleckeri und Chiropsalmus quadrigatus ] bezeichnet, die an tropischen Küsten ganze Badestrände unbenutzbar machen können. Weltweit geht man von einer zweistelligen Todeszahl pro Jahr bei Menschen aus, die beim Baden oder Tauchen mit diesen Tieren in Berührung kommen.

Was sind eigentlich Quallen ?

Quallen, auch Medusen genannt, sind frei schwimmende, gallertartige Organismen, die das geschlechtliche Stadium von wirbellosen Tieren aus dem Stamm der Nesseltiere darstellen. Auf jede Medusen-Generation folgt eine sesshafte, fest auf dem Untergrund haftende Polypen-Generation, in der sich die Tiere nur ungeschlechtlich vermehren. Der Körper der Quallen baut sich im Wesentlichen aus zwei Gewebeschichten auf, der Ektodermis und der Endodermis. Sie haben keinen Kopf, jedoch einen Magenraum ohne Anus und ein Nervensystem ohne Gehirn. Der Körper ist radiär- oder axialsymmetrisch. Ihre Beute fangen Quallen in der Regel mit Hilfe von Tentakeln, die über zahlreiche, giftige Nesselkapseln verfügen. Polypen leben sehr häufig am Meeresgrund und bilden dort meist größere Kolonien, wobei sich die Einzeltiere auf verschiedene Funktionen wie Fortpflanzung, Ernährung usw. spezialisieren. Die Bildung der Medusenform aus den Polypen geschieht gewöhnlich durch Abspaltung. Die Quallen wiederum bilden Eier und Spermien, aus deren Vereinigung eine neue Polypengeneration hervorgeht.

Chiropsalmus quadrigatus

fußballgroßes Exemplar mit kontraktierten Tentakeln. Die Toxine dieser Quallenart werden nach denen von C. fleckeri als die stärksten im Tierreich bezeichnet. Sie sind schnelle Schwimmer, die Hindernissen in der Regel geschickt ausweichen. Die meisten Unfälle beruhen auf rasch schwimmenden oder in das Wasser rennenden Kindern, die in die 1,5 m langen Tentakel geraten. Während C. fleckeri ein ausgeprägtes saisonales Auftreten an australischen Küsten (Oktober bis Mai) zeigt, ist C. quadrigatus ganzjährig verbreitet. Auf den Philippinen werden die Schirme der Tiere roh, mit Essig mariniert oder gedünstet verzehrt.



Weibliches Opfer einer intensiven Nesselung durch C. fleckeri. Der Kontakt war lebensgefährlich und die Patientin überlebte nur durch sofortige medizinische Hilfe.

Seit 1966 gibt es in australischen Kliniken ein Gegengift für Verletzungen durch C. fleckeri

Nadelfeine Giftattacken

Die Cnidocyste (Nesselkapsel) ist eine Hohlkapsel mit leicht absprengbaren Deckel. Im Inneren sitzt eingestülpt und gespannt wie ein Bolzenschussapparat ein kurzer, oft mit Haken oder Stiletten bewehrter Schaft. Dieser setzt sich in einem ebenfalls eingestülpten Schlauchabschnitt fort. Bei mechanischer Reizung fährt der Schussapparat der Meduse innerhalb weniger Tausendstelsekunden aus. Das Stilett der abgefeuerten Nesselkapsel durchschlägt die Körperwand des Opfers, schießt den Hohlfaden wie eine Injektionskanüle nach und drückt schließlich den Kapselinhalt aus. In Sekundenschnelle entfaltet das Nervengift Wirkung.

Die Nesselgifte

Die Nesselgifte, die hauptsächlich aus Proteinen bestehen gehören zu den stärksten Toxinen im Tierreich. Sie entfalten ihre Wirkung blitzschnell und verändern dabei die Durchlässigkeit der Zellmembran. Die Ionen können jetzt ungehindert ein- und austreten. Dies verändert das osmotische Gleichgewicht der Zelle und bedeutet gleichzeitig ihren Untergang. Weil die Nesselkapseltoxine während ihrer Isolierung sehr leicht denaturieren war es Wissenschaftlern bisher kaum möglich sie genau zu identifizieren. Bei Kontakt mit C. fleckeri treten extrem starke Schmerzen auf, die sich in den ersten 30 min noch verstärken. Die Verletzungen sind mit Verbrennungen vergleichbar. Oft treten Atembeschwerden auf, der Herzschlag wird schwächer und unregelmäßiger. Die Atmung kann komplett aussetzen. In vielen Fällen werden die Opfer ohnmächtig. Selbst sofortige medizinische Versorgung in Kliniken kann das Überleben nach einem schweren Kontakt nicht garantieren.

Warnschilder an den schönen Badestränden Nordostaustraliens. Einige Tafeln sind zusätzlich mit Essigkanistern ausgerüstet, die zur Ersten Hilfe genutzt werden sollen. Der beste Schutz ist immer noch, in der Quallensaison auf das Meer zu verzichten und im Pool zu schwimmen.

(Rasterelektronenmikroskopische Aufnahme)   Eine Nesselkapsel von C. quadrigatus beim Eindringen in die Hautzellen

Die Giftmenge einer Seewespe reicht theoretisch zur Tötung von 250 Menschen

Bei einer Gesamttentakellänge von 150 m besitzt ein adulter Chironex fleckeri ungefähr 200 Millionen Nesselkapseln. Da die Giftinjektion von 800 Tausend Nesselkapseln auf einen Erwachsenen tödlich wirkt, genügen die gesamten Nesselkapseln einen einzigen Tieres um 250 Menschen zu töten.

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Literatur:     Heeger, Thomas,  Quallen - Gefährliche Schönheiten
Berbauer, Matthias,   Giftige und gefährliche Meerestiere

Mythologie:  Die Schwesterdreifaltigkeit Medusa, Stheno und Euryale war ein hässliches Ungeheuer mit Schlangenhaaren. Medusas Blick ist tödlich; er lässt das Opfer sofort zu Stein erstarren. Sie war unter den 3 Schwestern die einzig sterbliche und wurde vom Zeussohn Perseus geköpft.

Erste Hilfe

unnötige Bewegung vermeiden, Essigwasser auf die haftenden Tentakel und Wunden, Tentakelreste mit Pinzette entfernen, Schockbekämpfung
in der Klinik: Adrenalin, Morphium, Antihistaminika...