Fisch des Jahres 2007: Die Schleie    Tinca tinca L.

Die Schlagzeile:

Der Verband Deutscher Sportfischer (VDSF) und das Österreichische Kuratorium für Fischerei und Gewässerschutz (ÖKF) haben die Schleie zum Fisch des Jahres 2007 gewählt.

Die Schleie vor allem durch weiteren Fließgewässerausbau und den damit verbundenen Wasserpflanzenrückgang gefährdet. Der Verbau von flachen, krautreichen Uferzonen wirkt sich besonders nachteilig auf Schleienbestände aus. Vor allem in stehenden Gewässern ist die Überdüngung zum Beispiel durch Eintrag aus der Landwirtschaft ein zusätzlicher Gefährdungsfaktor. Um die Schleienbestände in unseren heimischen Gewässern langfristig zu sichern, können die Bemühungen der Angler aber nur zum Erfolg führen wenn sie von grundlegenden Verbesserungen begleitet werden. Das bedeutet, wir brauchen naturnahe, durchgängige und strukturreiche Fließgewässer sowie eine hohe Wasserqualität. Der Schutz des natürlichen Lebensraums kommt übrigens nicht nur der Schleie zugute, sondern sichert vielen verschiedenen Arten, die durch menschliche Eingriffe in die Gewässerstrukturen in ihrem Fortbestand gefährdet sind, das Überleben.

Die zur Familie der Karpfenfische (Cyprinidae) gehörende Schleie hat eine längliche und kräftige Körperform. Die Haut ist dick und mit vielen Schleimzellen belegt (Ihrer schleimigen Oberfläche verdankt die Schleie übrigens auch ihren Namen). Die Schuppen sind sehr klein. Der Rücken ist olivgrün oder braun meist mit goldfarbenem Schimmer. Die Seiten und der Bauch sind heller und glänzen messingfarben. Die Iris der relativ kleinen Augen ist rotbraun. Das Maul ist rüsselartig vorstülpbar und mit zwei kurzen Barteln ausgestattet. Schleien wachsen langsam und erreichen durchschnittlich nach 3 Jahren eine Länge von 20 bis 30 cm, sowie ein Gewicht von 200 bis 300 g. Bei entsprechendem Nahrungsangebot können sie aber auch bis zu 70 cm lang werden und ein Gewicht von bis zu 7,5 kg erreichen.  In den Monaten Mai - Juli, wenn die Wassertemperaturen 18 - 20° C erreicht haben, beginnt die Laichzeit der Schleien. Vorher schließen sie sich zu Schwärmen zusammen und suchen flache, durchsonnte Uferbereiche mit dichtem Unterwasserpflanzenbewuchs auf. Die Weibchen legen dabei bis zu 300.000 - 600.000 klebrige Eier an Wasserpflanzen ab. Die Eiablage erfolgt nach und nach und erstreckt sich über einen Zeitraum von bis zu 2 Monaten. Die Brut schlüpft nach 4 bis 5 Tagen. Die geschlüpften Larven halten sich mit Klebdrüsen an Wasserpflanzen fest, bis sie schwimmen können. Erwachsene Schleien haben oft am Kiemendeckel einen Ruderfußkrebs (Ergasilus), dessen weiß gefärbte Eiersäcke gut zu sehen sind. Die Schleie ist wegen des wohlschmeckenden Fleisches ein wichtiger Wirtschaftsfisch, der auf Temperatur- und Sauerstoffschwankungen relativ unempfindlich reagiert. Sie ist in der Lage, monatelang zu hungern. Bei Temperaturen von über 28 Grad Celsius stellt die Schleie die Nahrungsaufnahme ein und fährt den Sauerstoffverbrauch und den Stoffwechsel stark zurück. Bei höheren Temperaturen gräbt sie sich auch im Schlamm ein und fällt in eine Art Hitzekoma. So übersteht sie sogar ein kurzfristiges Austrocknen ihres Gewässers. Im Winter stellt sie die Nahrungssuche ein und zieht sich an die tiefen, schlammigen Stellen zurück. Die Schleie ernährt sich von kleinen Bodentieren aller Art – darunter Insektenlarven, Schnecken und kleine Muscheln – sowie gelegentlich auch von Pflanzen. Sie ist im größten Teil Europas mit Ausnahme von Griechenland, Nordirland und Nordskandinavien verbreitet. Sie kommt auch im Brackwasser und in den Alpen bis zu 1.600 m über NN vor.

im alten Lexikon steht:

Schlei (Schleie, Schleihe, Schleiche, Tinca Cuv.), Gattung der Edelfische aus der Familie der Karpfen (Cyprinidae), kleinschuppige Fische mit sehr dicker, durchsichtiger Oberhautschicht, endständigem Maul, zwei Bärteln an den Mundwinkeln, keulenförmigen Schlundzähnen in einfacher Reihe und kurzbasiger Rücken- und Afterflosse. Die gemeine S. (Schleierkarpfen, T. vulgaris Cur.), bis 50, meist 20–30 cm lang und bis 6 kg schwer, dunkel ölgrün, an den Seiten hell- oder rötlichgrau mit violettem Schimmer, variiert sehr in der Färbung (Goldschlei, eine schwarzfleckige, orangegelbe oder rote Varietät mit großen, dünnen, durchsichtigen Schuppen und zarten Flossen, in Oberschlesien), findet sich in fast allen europäischen Flußgebieten von Süditalien bis Schweden, namentlich auch in vielen Seen, und bevorzugt Gewässer mit schlammigem, lehmigem Grund. Sie gedeiht auch noch in Wasser, in dem Karpfen abstehen, verweilt stets am Boden, verbringt den Winter in halb erstarrtem Zustand im Schlamm und wurde auch im Sommer in solcher Lage angetroffen. Sie nährt sich von Gewürm, vermoderten Pflanzenstoffen und Schlamm, laicht vom Mai bis August im Röhricht, wobei beide Geschlechter alle Scheu verlieren, und vermehrt sich sehr stark. Die Jungen wachsen sehr schnell, erreichen schon im ersten Jahr etwa 200 g, werden aber erst im vierten Jahre fortpflanzungsfähig. Das Fleisch ist wohlschmeckend. Vgl. Walter, Die Schleienzucht (Neudamm 1904); Vogel, Die Schleienzucht als Nebennutzung in Karpfenteichen (Bautzen 1905); Stropahl, Die Schleienzucht (Stettin 1906).