Der rote Tee

Unbarmherzig knallt die Sonne über den Cedar-Bergen im Südwesten der Republik Südafrika. Im Februar ist hier Hochsommer. Bald sind die Temperaturen wieder über 40°C. Aber kurz nach Sonnenaufgang ist es gerade noch erträglich. Eine Gruppe Schwarzer zieht mit Sicheln über eine Plantage und schneidet grüne rutenartige Zweige mit nadelförmigen Blättern. Hier ist der einzige Ort auf der Welt, wo der Aspalethus linearis, auch "Rooibos" genannt, wächst. [linke Abb.] Die ginsterartige Pflanze, die zu den Schmetterlingsblütern gehört, wird 50 bis 200 cm hoch und ist mehrjährig. Die Blätter des Busches sind grün, dünn und lang - etwa wie Kiefernnadeln, allerdings sehr weich. Die gelben Blüten auf kurzen Stielen bilden sich im Oktober. Nach der Verarbeitung der geschnittenen Zweige entsteht ein roter Tee der nach dem Aufbrühen ein fruchtig- frisches Aroma verbreitet. [rechte Abb.] Er ist frei von Koffein und enthält auch nur wenig Tannine (Gerbsäuren), die ihn auch ohne Zuckerzusatz süßlich schmecken lassen. Rooibos-Tee enthält zahlreiche Mineralien und Spurenelemente, u. a. Calcium, Fluor, Mangan, Magnesium, Kupfer und Eisen sowie Flavonoide und Vitamin C (Askorbinsäure). Forscher der Universität Würzburg teilten 2003 in der Zeitschrift für Phytotherapie mit, eine medizinische Wirkung von Rooibos-Tee sei bislang nicht nachgewiesen.

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Geschichte:

Es ist nicht geklärt, wie alt der Rotbusch ist und seit wann er von den Menschen in den Cedarbergen 250 km nördlich vom Kap der guten Hoffnung genutzt wird. 1904 beobachtete der russische Teehändler Ginsberg die Einheimischen bei der Teezubereitung und verstand es, den Handel und die Vermarktung von Rotbusch vor allem in Südafrika, aber auch in Europa zu etablieren. Der Rotbusch ist eine wild wachsende Pflanze. Bald konnte der Bedarf nicht mehr gedeckt werden. 1930 entwickelte der Arzt und Botaniker Dr. Nortier zusammen mit den ansässigen Farmern Methoden zur feldmäßigen Kultur der Pflanze. In der Folge entwickelte sich um den Ort Clanwilliam in den Cedarbergen ein blühender Rotbuschanbau. Die Anbaumethoden wurden perfektioniert und zahlreiche Sorten gezüchtet.

Anbau:

Heiße Sommer, regenreiche Winter und sandiger Boden mit speziellen Mineralien sind die Grundbedingungen für das Wachstum der ungefähr 200 Arten der Gattung Aspalathus. Getrunken werden kann aber nur die Art A. linearis. Die Samen müssen vor dem Keimen chemisch behandelt werden. Die kleinen Setzlinge [linke Abb.] wachsen dann ein halbes Jahr vor dem Umpflanzen in Baumschulen. Nach 18 Monaten blüht der Rotbusch [linke Abb.] und erst dann kann er einmal im Jahr unter die Sichel kommen. Die Zweige wachsen wieder nach, aber nach ungefähr 5 Jahren sind die Pflanzen verbraucht und werden abgebrannt. Der Boden wird bearbeitet und kann nach 2 Jahren Regeneration wieder mit Setzlingen bepflanzt werden.

Verarbeitung:

Die frisch geschnittenen Bündel werden mit Fahrzeugen schnell zur Schnittmaschine der Farm gebracht. Die Zweige mit den nadelartigen Blättern werden hier zu 2 mm langen Stücken geschnitten und gequetscht. Die feuchte Masse wird jetzt auf Betonflächen ausgebreitet. Die Fermentation (Gärung) beginnt. Mit Hilfe der im Zellsaft befindlichen Enzyme werden Inhaltsstoffe verändert und besondere Aromastoffe und Farbstoffe gebildet. Die rote Masse wird gewässert und umgeschichtet. Nach 12 Stunden kann sie dann getrocknet werden. Das besorgt die afrikanische Sonne. [rechte Abb.] Der Tee wird nun in Säcke gefüllt und an ein großes Privatunternehmen verkauft. Dort wird er gemischt, gesiebt, mit heißer Luft sterilisiert und in 20 kg- Säcke gefüllt. So gelangt er dann zu den Händlern in Deutschland, die Niederlande, die USA, Japan...