Die Ritterwanze


Die Bettwanze (Cimex lectularius) ist eine Wanze aus der Familie der Plattwanzen (Cimicidae).

Dieses Tier ist der Hauptgrund für das eher schlechte Image der Wanzen in der breiten Öffentlichkeit. Hat man Bettwanzen in der Wohnung, dann ist das in der Tat eher eine unangenehme Sache, die von einem Fachmann, also einer Schädlingsbekämpfungsfirma behandelt gehört. Die Tiere sind temporäre Ektoparasiten, flügellos, nachtaktiv, ertragen lange Hungerperioden (bis zu einem halben Jahr), brauchen aber für die Entwicklung unbedingt eine Blutmahlzeit. Durch den Biss der Wanze kann Hepatitis B übertragen werden. Bei empfindlichen Menschen führt der injizierte Speichel zu deutlichen Papeln auf der Haut, die stark jucken und für mehrere Tage bestehen bleiben. Bettwanzen hinterlassen bei starkem Befall einen unangenehmen süßen Geruch im Raum, der sie vor Fressfeinden schützen soll.

Lygaeus equestris


Die Schlagzeile:

 

Als Insekt des Jahres 2007 wurde eine Wanzenart, die Ritterwanze (Lygaeus equestris), gewählt. Zum Einen, da die Wanzen zu den farbenprächtigsten und interessantesten Insekten gehören, und zum Anderen soll dadurch mit dem schlechten Image aufgeräumt werden, das den Wanzen unter anderm wegen der Bettwanze (Cimex lectularius), die sich unter anderem von menschlichem Blut ernährt, anhaftet. Die Ritterwanze saugt wie ein Großteil der Wanzen Pflanzensäfte und ist für den Menschen völlig harmlos.

Larven der Ritterwanze

An den ersten warmen Tagen im Frühling, oft schon im März, verlassen sie ihre Winterquartiere und sonnen sich in kleinen Gruppen. Nach der Paarung im Frühling oder im Frühsommer sterben die Männchen. Die Weibchen leben länger, manchmal bis zum August. Je nach Witterung können einige Wochen vergehen, ehe die Weibchen rund sechzig Eier abgelegt haben, die in Gruppen im Boden versenkt
werden. Ritterwanzen können also zwischen zehn und vierzehn Monate alt werden. Etwa einen Monat nach der Eiablage schlüpfen die Larven. Zuerst halten sie sich an ihren Hauptwirtspflanzen auf, der Weißen Schwalbenwurz ( Vincetoxicum
hirundinaria) oder dem Adonisröschen ( Adonis vernalis) . Die jungen Larvenstadien sind auf diese Nahrungsquellen angewiesen. Je älter die Larven werden, desto eher findet man sie an anderen Pflanzen. Sie saugen dabei vor allem an den unreifen Samenanlagen sowie an reifen, abgefallenen Samen. Nach fünf Larvenstadien und etwa 40 Tagen Entwicklungszeit häuten sich die junge Wanzen zum erwachsenen Insekt. Die dann flugfähigen Tiere können sich zur Nahrungssuche einige Kilometer von ihrem bisherigen Lebensraum entfernen. Spätestens im Oktober suchen sich die Wanzen ihre Überwinterungsplätze.

Außer der berüchtigten Bettwanze und der Ritterwanze gibt es noch mehr als 40.000 Arten der seit mindestens 140 Millionen Jahren auf der Erde lebenden Gattung. Im Volksmund machte sich das Tierchen einen Namen weit über Spionage- und Abhörkreise hinaus vor allem durch das Kinderlied:

"Auf der Mauer, auf der Lauer"


Auf der Mauer, auf der Lauer
sitzt 'ne kleine Wanze.
Seht euch nur die Wanze an,
wie die Wanze tanzen kann!
Auf der Mauer, auf der Lauer
sitzt 'ne kleine Wanze.

Auf der Mauer, auf der Lauer
sitzt 'ne kleine Wanz.
Seht euch nur die Wanz an,
wie die Wanz tanz kann!

Auf der Mauer, auf der Lauer
sitzt 'ne kleine Wan.
Seht euch nur die Wan an,
wie die Wan tan kann...

Steckbrief der Ritterwanze:


• Als Wanze hat sie Duftdrüsen, einen Rüssel und Vorderflügel, die an der Basis fest und am Ende weichhäutig sind
• 8 –14 mm groß
• Lebhaft schwarz-rot-weiß gezeichnet
• Gehört in die Gruppe der Bodenwanzen (Lygaeidae)
• Harmloser, aber giftiger Pflanzensauger, lebt von Schwalbenwurz oder Frühlings-Adonisröschen und ist von diesen Pflanzen abhängig
• Die erwachsene Ritterwanze saugt auch an einer Vielzahl anderer Pflanzen, z.B. an Löwenzahn
• Die Paarung kann über 24 Stunden dauern
• Eier werden in kleinen Gruppen in lockeren Bodenschichten abgelegt
• Überwintert als erwachsenes Insekt und kann etwa ein Jahr alt werden.
• Im Herbst gern an Steilwänden oder Wällen, wo sie sich Überwinterungsplätze sucht
• In Europa und Asien weit verbreitet, aber zerstreut im Vorkommen
• In Deutschland und Österreich nicht gefährdet, aber relativ selten

Ritterwanzen sind ausgewachsen etwa 11 bis 12 Millimeter lang. Man erkennt sie an der rot-schwarzen Zeichnung ihrer Körperoberfläche, den voll ausgebildeten Flügeln und den langen, kräftigen Beinen. Die schwarzen Flecken der Oberseite bilden ein an ein Ritterkreuz erinnerndes Muster, worauf der deutsche Name dieser Wanze Bezug nimmt. Kennzeichnend ist ferner je ein kreisrunder weißer Fleck auf den Membranen, der für Wanzen charakteristisch ausgebildeten Vorderflügel . Da sich die Membranen überlappen, erscheinen diese zu einem einzigen Fleck vereinigt.

Das Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes war während des Zweiten Weltkrieges die höchste verliehene Klasse des Eisernen Kreuzes und somit die höchste deutsche militärische Tapferkeitsauszeichnung. Als sein Vorgänger gilt die bis 1918 verliehene Militärklasse des Ordens Pour le Mérite. Das Ritterkreuz gilt international als eine der angesehensten Tapferkeitsauszeichnungen der neueren Geschichte.
 

 

Igitt – nun auch noch eine Wanze als Insekt des Jahres
werden einige Zeitgenossen denken. Der schlechte Ruf, der den Wanzen vorausgeht, ist vor allem auf die Bettwanze zurückzuführen, die als blutsaugender Parasit weltweit dem Menschen zusetzt. Mit dieser Wanze möchte man lieber nichts zu tun haben und sie hat sozusagen die ganze Insektengruppe in »Verruf« gebracht. Gerade auch deshalb hat das Kuratorium für 2007 erstmals eine Wanze zum Insekt des Jahres gekürt. Die Wahl ist auf die Ritterwanze Lygaeus equestris gefallen – eine von rund tausend mitteleuropäischen Wanzenarten. Namensgebend ist ein schwarzes Kreuz auf der Oberseite, das an ein Ritterkreuz erinnert. Außer der berüchtigten Bettwanze und der Ritterwanze gibt es weltweit noch über 40.000 weitere Arten. Oft sind sie hübsch anzusehen, bunt und auffällig. Andere sind durch zurückhaltende Farben und eine spezielle Gestalt gut getarnt oder besitzen ein geradezu bizarres Äußeres. Die Vielfalt in der Körperform – es gibt mückenähnliche oder käferähnliche Wanzen, manche sehen wie Holzstückchen oder vertrocknete Blätter aus – ist das Spiegelbild einer sehr unterschiedlichen Lebensweise. Es gibt kaum einen Ort, an dem nicht irgendeine Wanzenart zu finden ist, vom Menschen vielfach unbemerkt oder wenigstens unbeachtet.
Wanzen – eine erfolgreiche Insektengruppe
Die Wanzen gibt es schon seit mindestens 140 Millionen Jahren auf der Erde. Sie besitzen einen Saugrüssel, mit dem sie Pflanzen oder Tiere anstechen. Dieser Rüssel besteht aus zwei Kanälen. Durch den einen transportieren sie Verdauungsenzyme in die Nahrungsquelle, um Gewebe und Zellen aufzulösen. Mit dem anderen Kanal, der einen Durchmesser von oft nur einem Hundertstel Millimeter besitzt, saugen sie dann die aufgelösten Bestandteile der Beute auf. Die meisten Arten sind, wie die Ritterwanze, Pflanzensauger. Andere Wanzen leben räuberisch vor allem von anderen Insekten, einige wenige Arten saugen Blut von Vögeln, Fledermäusen oder Menschen.
Betörendes Parfüm oder Appetitzügler?
Typisch für Wanzen ist ihr Geruch. Es kann ein leichter Hauch sein, der an Kirschen, Vanille, Zimt, Rosen oder Orangen erinnert. Manchmal ist der Duft aber artspezifisch etwas würziger, und es gibt außerdem echte »Stinkwanzen« mit einem von uns als unangenehm und stechend empfundenen Geruch. Die Öffnungen der Duftdrüsen befinden sich seitlich am Vorderkörper oder auf dem Rücken. Die in diesen Drüsen gebildeten Stoffe dienen der innerartlichen Kommunikation wie dem Anlocken des Sexualpartners oder dem Zusammenhalt von Gruppen und als Alarmstoff beziehungsweise zur Abwehr von Fressfeinden. Die Ritterwanze gehört nicht zu den für unser Geruchsempfinden unangenehm riechenden Wanzen.
Auf der Mauer auf der Lauer sitzt… ‘ne kleine Wanze
In der mitteleuropäischen Kulturlandschaft leben Ritterwanzen auf Trockenrasen und in lichten Wäldern. Man trifft sie üblicherweise nur dort an, wo ihre relativ seltenen Nahrungspflanzen wachsen. In Deutschland kommen Ritterwanzen von der Ostseeküste bis nach Süddeutschland vor, im Nordosten auf extensiv genutzten Hügeln der Insel Rügen und an den pontischen Hängen an der Oder, weiter im Süden vielfach in warmen Lagen der Mittelgebirge und im unteren Bereich der Hochgebirge. In Österreich ist sie weit verbreitet und an geeigneten Orten nicht selten zu finden. Allerdings sind durch Nutzungsänderung, Überdüngung, Bebauung und Rückgang ihrer Nahrungspflanzen die Ritterwanzen stellenweise selten geworden.
Prost! Noch einen kräftigen Schluck Gift ...
Mit der Nahrung nehmen die Ritterwanzen auch die Giftstoffe ihrer Wirtspflanzen Weißer Schwalbenwurz oder Frühlings-Adonisröschen auf. Die Wanzen speichern die Toxine in ihrem Körper so, dass sie ihnen nicht schaden können. Sie selbst werden jedoch dadurch ungenießbar und die rot-schwarze Warnfärbung signalisiert jedem potenziellen Feind ihre Giftigkeit (Müller´sche Mimikry). Fast jede Wanzenart hat ihre spezielle Futterpflanze. Meistens gibt es keine ernsthaften Probleme für die Wirtspflanzen, und nur wenige Wanzenarten können in der Landwirtschaft oder an Zierpflanzen schädlich werden. Ritterwanzen überwintern als erwachsene Insekten am Boden in der Streu oder unter loser Borke, auch in unbenutzten Bruthöhlen von solitären Bienen, an Steilwänden und Wällen.