Der WM - Rasen

ein botanischer Beitrag zur Fußballweltmeisterschaft

Die Schlagzeile 08.07.2006:  Die deutsche Nationalmannschaft hat sich bei der Fußball-WM den dritten Platz gesichert. Das Team von Bundestrainer Jürgen Klinsmann setzte sich im „kleinen Finale” 3:1 gegen Portugal durch.

Weltklassefußballrasen muss hart im Nehmen sein, dicht und homogen gewachsen und frei von Unkraut sein, schnell regenerieren und Krankheiten widerstehen können sowie eine kräftige grüne Farbe haben. Ein sattes Grün garantiert starke Kontraste. Der Rasen konnte auf besonderen Kulturflächen schon ein Jahr gedeihen. Mit großen Erntemaschinen wird er dann unterhalb des Wurzelwerks vom Boden "geschält" Abb. oben. Dabei entstehen Rasenmatten, die exakt zwölf Meter lang und ein Meter zwanzig breit sind. Alle Rasenmatten müssen genau 35 mm dick sein, damit der Rasen im Stadion nicht uneben wird. Direkt nach dem Schälen werden die Grasrollen vollautomatisch eingerollt und in Plastikfolie verpackt. Auf Lastwagen wurde das WM-Grün in die Stadien gefahren und recht schnell wieder ausgerollt Abb. rechts Denn je länger der Rasen verpackt ist und keine Luft bekommt, desto größer ist die Gefahr, dass der Rasen Schaden nehmen könnte. Für einen langlebigen Rasen ist der Untergrund, auf dem er wächst, von großer Bedeutung. Die Rasentragschicht besteht aus 80 Prozent Sand und 20 Prozent Lava.
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Die beiden WM- Gräser sind die dunkle Wiesenrispe 75% Abb. rechts oben und das hellgrüne Deutsche Weidelgras 25%  Abb. rechts unten. Der große Vorteil der Sorten der Wiesenrispe, Poa pratensis, liegen in ihrer Art zu wachsen. Sie bilden Rhizome zur Seite und aus diesen Ausläufern kommt das neue Gras hoch. Damit kann die Wiesenrispe Kahlstellen schnell wieder schließen – eine Eigenschaft, die besonders bei Fußballrasen zählt. Außerdem bleibt die Rasendecke durch den großen Anteil Wiesenrispe niedrig und lässt den Ball damit besonders schnell laufen. Das Deutsche Weidelgras, Lolium perenne, wächst im Gegensatz zur Wiesenrispe gerade nach oben und kann sich sehr schnell regenerieren. Durch diese Mischung ist WM-Rasen besonders widerstandsfähig und kann zwischen den Spielen schnell wieder nachwachsen.

Poa pratensis L. (Wiesen-Rispengras)

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Abteilung: Spermatophyta (Samenpflanzen)
Unterabteilung: Angiospermae (Bedecktsamige Pflanzen)
Klasse: Monocotyledoneae (Einkeimblättrige Pflanzen)
Unterklasse: Junciflorae (Binsenähnliche)
Ordnung: Poales (Grasartige Pflanzen)
Familie: Poaceae (Gramineae) (Süßgräser)
Gattung: Poa (Rispengras)
Art: Poa pratensis L.
[Poa: Name von Linné, von griech. poie = Gras, Futterkraut.
lat. pratensis = Wiesen-, zu pratum = Wiese, Wiesengras; nach dem Standort]

Das Wiesenrispengras ist eine meist ausdauernde, grüne oder graugrüne locker rasig oder locker horstig wachsende Graspflanze mit langen verzweigten unterirdischen Ausläufern. Triebe zahlreich beieinander stehend, mit zahlreichen Blattscheideresten an ihrer Basis (Blütentrieb von zahlreichen sterilen Trieben umgeben).
Blattscheiden glatt, kahl oder behaart, die unteren zuweilen schwach gekielt, die der nichtblühenden Triebe fast bis oben verwachsen; Ligula (Blatthäutchen) am Rand der Blattscheide herablaufend, die der nichtblühenden Triebe sehr kurz, die der Stängelblätter 1-2(-3) mm lang, gestutzt, außen kahl oder rau; Grund- und Stängelblätter bis 30 cm lang, 2-4(-6) mm breit, flach, oben plötzlich zugespitzt und kapuzenförmig, kahl, an den Rändern rau; Spreiten der Stängelblätter kürzer als ihre Scheiden. Rispe 4-15(-20) cm lang, pyramidenförmig und wenig höher als breit oder zusammengezogen, reichährig; Rispenäste kantig und rau, abstehend, geschlängelt, die untersten zu 3-5 vom selben Knoten abzweigend; Ährchen 2- bis 5-blütig, 4-6 mm lang, nicht bereift, grün, meist violett überlaufen; Hüllspelzen ungleich lang, spitz, die untere 1(-3)nervig, die obere 3-nervig; Deckspelzen deutlich 5-nervig, gekielt, auf dem Mittelnerv und den äußeren Seitennerven in der unteren Hälfte kurzhaarig, am Grund mit einem Schopf langer Wollhaare, diese so lang wie die Spelze selbst; Vorspelzen auf den Kielen kurz borstenhaarig (selten zusätzlich mit längeren Haaren); Staubbeutel 1,6-2 mm lang.

Lolium perenne L.
(Englisches Raygras/ Deutsches Weidelgras)

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Abteilung: Spermatophyta (Samenpflanzen)
Unterabteilung: Angiospermae (Bedecktsamige Pflanzen)
Klasse: Monocotyledoneae (Einkeimblättrige Pflanzen)
Unterklasse: Junciflorae (Binsenähnliche)
Ordnung: Poales (Grasartige Pflanzen)
Familie: Poaceae (Gramineae) (Süßgräser)
Gattung: Lolium (Lolch)
Art: Lolium perenne L.
[lat. lolium = Taumel-Lolch, Lolium temulentum L.
lat. perennis = das ganze Jahr über dauernd; ausdauernd; für krautige, ausdauernde Pflanzen. Raygras: zu engl. rye-grass = Roggengras; das Saatgut der Art wurde anfangs aus England eingeführt]


Das Deutsche Weidelgras (Synonyme: Ausdauerndes Weidelgras, Ausdauernder Lolch, Englisches Raygras, Dauer-Lolch) ist eine grüne einjährige oder ausdauerde Graspflanze mit einer Ähre. Sie ist horstbildend und ohne Ausläufer; nichtblühende Triebe wachsen innerhalb der untersten Blattscheiden empor. Die Halme sind stets bis oben glatt.  Blattscheiden der nichtblühenden Triebe zu 2/3 oder bis oben verwachsen; Ligula (Blatthäutchen) 1-2 mm lang, breit-abgerundet; Blattspreiten in der Knospenlage gefaltet, später flach, 4-20(-30) cm lang und 1-4(-6) mm breit, kahl, oberseits glatt oder wie der Rand rau, unterseits glatt und glänzend. Ähre 5-30 cm lang, aufrecht oder etwas gebogen; Ährenachse geschlängelt, glatt; Ährchen übereinander stehend, gelegentlich einander etwas überlappend, 4- bis 12-blütig, 6-20 mm lang, zuweilen zu Laubsprossen auswachsend; Ährchenachse spät zerfallend; untere Hüllspelze nur beim obersten Ährchen ausgebildet; obere Hüllspelze 5- bis 9-nervig, 5-15 mm lang, 1/3 so lang oder etwas länger als das Ährchen, stumpf, derbhäutig, glatt, kahl; Deckspelzen 5- bis 7-nervig, 4-9 mm lang, stumpf, häutig, kaum verhärtend, glatt, kahl, meist grannenlos (seltener grannenspitzig oder mit bis 8 mm langer Granne); Staubbeutel 2-4 mm lang.