Das Osterei

Das Osterei 

 

von Heinrich Hoffmann von Fallersleben 

Hei, juchei! Kommt herbei! 
Suchen wir das Osterei! 
Immerfort, hier und dort 
und an jedem Ort! 

Ist es noch so gut versteckt. 
Endlich wird es doch entdeckt. 
Hier ein Ei! Dort ein Ei! 
Bald sinds zwei und drei. 

 

Die Suche:

Bei Kindern ist das Suchen der Ostereier sehr beliebt. Das Suchen gefärbter oder anders verzierter Eier kennt man seit dem 17. Jahrhundert. Im protestantischen Kinderbrauch bringt diese Eier der Osterhase. Der Brauch geht auf die mittelalterliche Eier- und Speisenweihe, das österliche Zinsei als grundherrliche Abgabe und österliche Eierspenden zurück und hängt allgemein mit der dem Ei zugeschriebenen vitalen Symbolkraft zusammen. Zu einem besonderen Zweig der Volkskunst entwickelte sich die Kunst der Verzierung der Ostereier, zumal im slawischen Kulturraum, einschließlich der Sorben.

 

"Das weiß ein jeder, wer´s auch sei - gesund und stärkend ist das Ei."   Wilhelm Busch

Das Fest:

Ostern ist das älteste christliche Fest und das Hauptfest im Kirchenjahr. Ursprünglich ist es hervorgegangen aus der Umdeutung des jüdischen Passahfestes. Seit Mitte des 2.Jahrhunderts ist Ostern ein jährliches Fest zum Gedächtnis an Tod und Auferstehung Christi. Mit vielerlei Brauchtum wird das wichtigste christliche Fest noch heute gefeiert. Am Ostersonntag endet die 40-tägige Fastenzeit, die am Aschermittwoch beginnt. Die Karwoche, die Ostern vorausgeht, beginnt mit dem Palmsonntag und endet am Karfreitag, dem Tag, der an die Kreuzigung Jesu erinnert.
Die Bezeichnung Ostern leitet sich von Ēastre ab, dem angelsächsischen Namen der teutonischen Göttin des Frühlings und der Fruchtbarkeit. Ihr Fest wurde am Tag vor der Frühlings-Tagundnachtgleiche gefeiert Auch in anderen Kulturen wurde zu diesem Zeitpunkt der Frühlingsanfang gefeiert.

Vom Ei zum Küken:

Die Entwicklung des Huhns setzt erst ein, wenn das befruchtete Ei bebrütet wird. Aus der Keimscheibe entwickelt sich das Küken innerhalb von 21 Tagen. Schon am 2. Bruttag durchzieht ein Netz feiner Blutgefäße die Dotterhaut. Am 6. Bruttag sind Flügel und Beine als kleine Stummel sichtbar. Eiklar und Eidotter liefern dem Embryo alles, was es zum Aufbau seines Körpers braucht.
Beim Schlüpfen pickt das Küken mit dem Eizahn, einem Höcker auf der Spitze des Oberschnabels, gegen die Eischale. Es entsteht eine kleine Öffnung. Bald zeigen sich größere Risse. Schließlich stemmt sich das Küken gegen die Schalenwände und sprengt die Eischale. Sobald die Flaumfedern getrocknet sind, wird das Küken lebhaft. Es kann sofort sehen, laufen, picken und scharren. ("Nestflüchter")


Der Osterfeststreit:


In der Urkirche war der Höhepunkt des christlichen Kultes die wöchentliche Feier der Eucharistie am Sonntag. Ostern als eigenes Jahresfest kannte die Urkirche nicht. Dieses setzte sich erst allmählich durch. Schon bald allerdings kam es zu einer Auseinandersetzung um das Datum des Osterfestes, zum Osterfeststreit. Dieser Streit entstand zwischen den Christen Kleinasiens und Syriens auf der einen Seite, die Ostern am 14.Nissan, dem jüdischen Passahtermin, feierten, und der römischen Christengemeinde, die wie die meisten anderen Gemeinden Ostern am Sonntag nach dem 14.Nissan feierte. Als dann das 1.Konzil von Nizäa 325 den Ostertermin einheitlich für alle Christen auf den ersten Sonntag nach dem ersten Vollmond nach Frühlingsbeginn festlegte, wurde nicht nur Ostern terminlich vom Passahfest getrennt, sondern auch ein Bruch mit der jüdischen Tradition vollzogen, nach der das Passah-, und damit nach Auffassung der judenchristlichen Gemeinden auch das Osterfest, auf jeden Tag der Woche fallen konnte. Allerdings blieb die faktische Ansetzung dieses Termins weiterhin umstritten. Es wurden verschiedene Osterzyklen vorausgesetzt und so kam es weiterhin zu Unterschieden. Erst Dionysius Exiguus beendete diesen Streit, indem er auf Veranlassung von Papst Johannes I. 525 auch für Rom die Berechnungsweise durchsetzte, die in Alexandria üblich war: den 19-jährigen Zyklus. Der Kirche von Alexandria wurde die chronologische Bestimmung übertragen. Schon seit dem 3.Jahrhundert hatten die Bischöfe der Kirche von Alexandria den Ostertermin in ihren Osterfestbriefen bekannt gemacht. Übrigens war das astronomisch bedingte »Vorrücken« des Ostertermins durch diese Osterregel im 16.Jahrhundert Anlass für die Kalenderreform von Papst Gregor XIII. Weiterhin gibt es Unterschiede bei der Berechnung des Ostertermins zwischen den westlichen Konfessionen und den Ostkirchen. Der Grund liegt darin, dass die Ostkirchen bei der Bestimmung des Frühlingsanfangs nach dem julianischen und nicht nach dem gregorianischen Kalender gehen.

Superlative rund ums Ei:
[Abb. links]

Das kleinste Vogelei der Welt stammt von einer Kolibriart und wiegt 0,4 g. Das Ei vom Afrikanischen Strauß ist 1,6 kg schwer.

Links:

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Literatur:

Bezzel, E.: Vögel. München, 1996.
Harrison, C. O.: Jungvögel, Eier und Nester aller Vögel Europas, Nordafrikas und des Mittleren Ostens. Berlin, 1975.
Noll, H.: Bestimmungstabelle für Nester und Eier einheimischer Vögel. Basel, 1968.