Der Oleander blüht

Nerium oleander L.  (Echter Oleander, Rosenlorbeer)

Eine Kultursorte des Oleander im Blumentopf

Nerium oleander ist ein bis 6m hoher, immergrüner Strauch oder kleiner Baum mit schlanken, aufrechten Zweigen aus der Familie der Hundsgiftgewächse (Apocynaceae), der im Mittelmeerraum heimisch ist. Der Oleander ist seiner schönen Blüten wegen eine der beliebtesten Zierpflanzen, die in Mitteleuropa wegen der mangelnden Winterhärte in Kübel gepflanzt wird. Er hat ledrige Blätter, die gegenständig oder in Quirlen jeweils zu dritt stehen. Die fünfzähligen, duftenden Blüten stehen in endständigen trugdoldigen Rispen. Bei der Wildform sind sie rosa gefärbt, doch gibt es auch gefüllte Kultursorten mit weißen, gelblichen oder roten Blüten. Die Frucht ist eine lange, schotenartige Balgkapsel. In warmen Sommern blüht er von Juni bis September. Die Pflanzen enthalten in allen Teilen einen bitteren, giftigen Milchsaft. Vor allem in den Blättern wild wachsender Pflanzen befinden sich herzwirksame Glykoside. Der Verzehr führt zu Übelkeit, Koliken, Diarrhöen und Kopfschmerzen; gelegentlich kommt es auch zu starken Herzstörungen bis hin zum Tod durch Herzlähmung.

Rechts in der Abb. ein blühender Oleanderstrauch im Mittelmeergebiet

Der Name Oleander stammt ab von den zwei Wörtern "olea" für Öl und "andreios" für stark, kräftig. Der Name der Gattung, Neria, stammt vom lateinischen "nerium" (nass) ab, und weist somit auf den bevorzugten Standort dieser Pflanze hin.

Alexander der Große berichtet, dass Zugtiere, die von der Pflanze fressen, vergiftet wurden. Soldaten Napoleons sollen gestorben sein, nachdem sie Fleisch aßen, das auf Oleanderspießen gebraten wurde.

Da die Blätter des Oleander extrem bitter schmecken, ist die Gefahr gering, dass kleine Kinder Oleander im Garten verzehren könnten. Jedoch schreiben schon antike Dichter über die Wirkungen der Pflanze, und im Mittelalter ist der Saft der Pflanze gegen Mäuse und Parasiten verwendet worden.

Oleander lassen sich leicht durch Stecklinge vermehren. Diese sollten im Juli/August genommen werden. Dazu sind einige noch nicht verholzte Triebstücke abzuschneiden und in ein Glas Wasser zu stellen. Schon nach wenigen Wochen wurzeln die Stecklinge und können jetzt in die Erde gepflanzt werden.

Im Winter müssen die Pflanzen spätestens nach den ersten Frösten eingeräumt werden und in einem kühlen, hellen und ausreichend belüfteten frostfreien Raum bei 8 bis 10 Grad überwintern. Ab März kommen sie in einen wärmeren und helleren Raum. In der Folgezeit sind sie ständig zu gießen, die Wurzelballen dürfen nie ganz austrocknen.

mikroskopischer Blattquerschnitt Nerium oleander
(Xerophyt - typ. Merkmale einer Trockenpflanze)

Samuel Hahnemann
(1755-1843) Begründers der Homöopathie


"Ich habe zwar mehrere Gewächse und Gewächstheile, auch Mineralien, zuerst in den Arzneivorrath eingeführt und ich kann mir wohl schmeicheln, denselben damit bereichert zu haben. Unter andern aber ist auch Oleander ein heilsames neues Heilmittel von wünschenswerthen Kräften, die wir bei keinem andern Arzneimittel antreffen. Er wird sich in einigen Arten von Geisteszerrüttungen z.B. der Zerstreutheit, und in gewissen Arten schmerzloser Lähmungen, bei Kopfausschlägen und einigen äussern Kopfleiden, wo nicht als vollkommnes Heilmittel, doch als unentbehrliches Zwischenmittel erweisen, und so wird der homöopathische Arzt noch andre Heilkräfte aus den Beschwerden, die er für sich an gesunden Personen erzeugt, sich von ihm zu Nutze zu machen wissen.
Ich habe mich bisher nur einer billionfachen Verdünnung des angeführten Saftes bedient, glaube aber, dass er, um auch bei den empfindlichsten Naturen ohne Anstoss gebraucht zu werden, eine viel weiter getriebene potenzirte Verdünnung (und Entfaltung seiner innern Kraft) bedürfen wird."

Vincent Willem van Gogh: Stilleben mit Oleander

1888, Öl auf Leinwand, 60 × 73 cm.
New York, Metropolitan Museum of Art.
Stil: Neo-Impressionismus.


Das giftige Oleandrin (Neriolin) aus den Blättern des Oleanders gehört zu den Digitalis- Glykosiden (Steroid).