Sensation in Münster: Neues Säugetier entdeckt

Meerschweinchen hatten ersten Pressetermin

Nur noch selten werden unbekannte Tierarten entdeckt, jedenfalls, wenn sie größer sind als Insekten. In Münster wurde jetzt eine 22 Zentimeter lange neue Meerschweinchenart der Presse vorgestellt. Heimisch in Bolivien und mit exotischem Verhalten: Es lebt völlig monogam.

 

Ein Paar des neu entdeckten "Münsterschen Meerschweinchens" wird im Münsteraner Zoo ein neues Zuhause finden

Rund 22 Zentimeter groß, etwa 300 Gramm schwer und rötlich-grau ist das "Münstersche Meerschweinchen". Forscher der Universität Münster haben die neue Säugetierart entdeckt. "Diese Meerschweinchenart unterscheidet sich in seiner monogamen Lebensweise von den anderen", so Norbert Sachser von der Abteilung für Verhaltensbiologie beim Pressedebut des Meerschweinchens. Keine andere der bislang 14 bekannten Meerschweinchen-Arten lebe lebenslang mit einem Partner. Mehr noch: Monogamie ist unter Säugetieren allgemein nicht üblich. Nur drei bis fünf Prozent der weltweit rund 4.250 Säugetierarten halten ihrem Partner beziehungsweise der Partnerin die Treue.

 

Eigenbrötler und Pflanzenfresser

Professor Norbert Sachser von der Uni Münster mit Bildern von der neuentdeckten Meerschweinchenart "Münstersches Meerschweinchen" (Galea monasteriensis, r) und des "Wieselmeerschweinchens" (Galea musteloides, l)

Das "Münstersche Meerschweinchen" hört auf den wissenschaftlichen Namen "Galea monasteriensis" und stammt aus Bolivien. Es frisst Gräser und hat Nachbarn nicht gern: Auf Artgenossen reagiert es aggressiv. Entdeckt wurde es per Zufall. Vor rund sechs Jahren holten Münsteraner Wissenschaftler zwölf der Nager aus der Provinz Cochabamba in Bolivien, um sie mit ihren Wieselmeerschweinchen zu kreuzen und so Inzuchtprobleme zu vermeiden. Aber die Babymeerschweinchen blieben hartnäckig aus. Damit stand ein Verdacht im Raum. Da sich nur Tiere derselben Art Nachkommen zeugen können, mussten die Bolivianer also einer anderen Art angehören. DNA-Analysen, Knochen- und Zahnvergleiche von Meerschweinchen-Skeletten der vergangenen 200 Jahre bewiesen schließlich: Es handelt sich tatsächlich um eine neue Art.

 

Antimachos mit Familiensinn

"Nicht nur vom Knochenbau, auch vom Verhalten unterscheidet sich diese Art von den anderen", sagte Biologe Matthias Asher, der in Bolivien die "Münsterschen Meerschweinchen" beobachtete. Neben der seltenen Monogamie herrscht auch noch Familiensinn unter den Nagern. Die Väter spielten mit ihren Jungen, statt sie wegzubeißen. "Auch die unterschiedliche Form der Geschlechtsorgane hat wahrscheinlich die Kreuzung mit dem Wieselmeerschweinchen unmöglich gemacht", vermutet Biologin Katrin Solmsdorff.

"Das ist wirklich eine seltene Entdeckung", erklärt Forschungsleiter Sachser. Je größer Säugetiere seien, desto seltener sei es, eine neue Art zu finden. Die Wissenschaftler wollen in den kommenden Jahren untersuchen, welche ökologischen Faktoren zur Monogamie geführt haben. Von Freitag an tummelt sich ein Paar der "Münsterschen Meerschweinchen" im Münsteraner Zoo.

Links:       1        2        3         4         5         6         7          8