Die Legionellen  [*]

Legionella pneumophila (gramnegatives Stäbchen) beweglich, ohne Kapsel

Eine Röntgenuntersuchung der Lunge kann typische Krankheitszeichen sichtbar machen.

Die Schlagzeile:           [Sept.2005]

 

Duschverbot in Wohnblöcken von Salzwedel (Altmark / Sachsen- Anhalt)

Erneut sind in Salzwedel Erreger der gefährlichen Legionärskrankheit entdeckt worden. Betroffen sind die Wasserleitungen von vier Wohnblocks, in denen bis zu 200 Menschen leben. Für zwei der Wohnblocks wurde ein mindestens zwölf Tage dauerndes Duschverbot verhängt, weil die Bakterien über den Sprühnebel von Wasser eingeatmet werden können. Die betroffenen Leitungen müssen desinfiziert werden. Zu einem Ausbruch der Krankheit, wie Anfang August 2005 in einem anderen Fall im Stadtgebiet, kam es bisher nicht. Damals war eine 29-jährige Frau an Legionellen erkrankt und wurde im Krankenhaus mit Antibiotika behandelt. Eine defekte Warmwasseranlage musste ausgetauscht werden, die für die Entstehung und Vermehrung der Bakterien verantwortlich war. Auch in anderen Regionen Sachsen-Anhalts gab es 2004 ähnliche Vorkommnisse. Experten warnen. Wohnungsleerstand und falscher Energiesparwille tragen zur Vermehrung der Bakterien bei.

Legionellen werden durch das Einatmen winziger Tröpfchen kontaminierten Wassers übertragen.

Nachweis des Erregers in Lungensekretproben bzw. den Nachweis von Antikörpern mittels Immunfluoreszenz-Test

Historisch:

Die Legionellose wurde 1976 zum ersten Mal beschrieben. Ihren Namen erhielt sie nach einem Treffen der US-Kriegsveteranenvereinigung "American Legion" in Philadelphia. In dem Hotel, in dem die Veteranen untergebracht waren, erkrankten 200 Teilnehmer, 34 starben an einer Lungenentzündung. Die Erreger wurden in der Klimaanlage entdeckt.

 

Legionellose

Die Erreger der Legionärskrankheit  sind die stäbchenförmigen Bakterien Legionella pneumophila. Die Legionellen finden und vermehren sich in warmen Süßwasser, in Trinkwassersystemen, Klimaanlagen und Luftbefeuchtern. Über zerstäubtes Wasser z. B. beim Duschen wird der Erreger eingeatmet und gelangt so in die Lunge. Besonders stark vermehren sich Legionellen bei einer Temperatur zwischen 30 und 45 Grad, wie sie sich in Warmwasserversorgungen von Hotels, Schwimmbädern oder Schulen findet. Wird das Wasser auf mindestes 60° C erhitzt, sterben die Legionellen innerhalb von etwa 15 Minuten ab. In kaltem Wasser vermehren sie sich nicht. Eine Übertragung von Mensch zu Mensch ist bisher nicht bekannt und wird von Wissenschaftlern als sehr unwahrscheinlich eingeschätzt. Nach einer Inkubationszeit von 2 bis 10 Tagen tritt zunächst ein unspezifisches Krankheitsgefühl mit Kopf- und Muskelschmerzen auf. In der Folge kommt es zu hohem Fieber, Lungenschmerzen, Husten und Atembeschwerden, auch zu Durchfällen und Verwirrtheitszuständen. Unbehandelt kann ein schwerer Verlauf mit Nierenversagen und Erstickungsanfällen zum Tod führen.

Diagnose:

Wichtig ist die Krankengeschichte (Anamnese), z.B. eine Lungenentzündung nach einer Reise mit Hotelaufenthalten weist auf die Legionärskrankheit hin. Legionellen können mit einer speziellen Technik (Immunfluoreszenz) im Urin, im Auswurf oder im Blut nachgewiesen werden. Antikörper gegen Legionellen können erst nach bis zu zwei Wochen im Blut gefunden werden. Daher hat diese Untersuchung keine Bedeutung in der akuten Diagnostik. Das Anzüchten der Erreger aus dem Blut oder aus Gewebeproben der Lunge ist sehr schwierig.

Letalität:

Die Zahl der Todesfälle im Verhältnis zur Zahl der Erkrankten, liegt auch bei Antibiotikatherapie im Bereiche von 10%.
Besonders gefährdet sind Erkrankte mit beeinträchtigtem Immunsystem (z.B. Transplantationsempfänger, Tumor-Patienten in Intensivpflegestationen), Diabetiker, Personen mit chronischen Lungenerkrankungen sowie Raucher. Das Erkrankungsrisiko ist ab dem 50. Altersjahr deutlich erhöht, und Männer erkranken häufiger als Frauen. Legionellen verursachen auch eine mildere Form der Krankheit, das so genannte Pontiac-Fieber. Es handelt sich dabei um eine grippeähnliche Erkrankung mit hohem Fieber ohne Beteiligung der Lungen.

Fakten zur Legionärskrankheit:
 

  • Todesrate durch Legionärskrankheit etwa 10%
  • Nach Schätzungen des Robert-Koch-Institutes erkranken in Deutschland jährlich 6.000-10.000 Menschen an der Legionärskrankheit
  • Übertragung der Krankheit von Mensch zu Mensch: nicht nachgewiesen
  • Minimale infektiöse Dosis: nicht bekannt
  • Der Erreger infiziert die Abwehrzellen in der Lunge (Makrophagen) und vermehrt sich in ihnen; daher hat der Körper kaum Abwehrmöglichkeiten
  • Besonders gefährdete Menschen sind ältere Personen, solche mit schwächen des Immunsystems (z.B. durch AIDS), Diabetes-Patienten, Raucher und chronisch Lungenkranke
  • Möglichkeiten zur Desinfektion/Abtötung des Keims auf Flächen: 1%ige Natriumhypochlorit-Lösung, 70%iger Ethylalkohol (Ethanol)
  • Desinfektion von Geräten: Autoklavieren bei 120° C für mind. 15 min; trocken sterilisieren bei 160-170° C für mind. 1 h
  • Impfung zur Zeit noch nicht möglich
  • Behandlungsmöglichkeiten: Antibiotika- Therapie mit Erythromycin und Rifampi

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Therapie:

Eine Behandlung mit Antibiotika ist notwendig. Mittel der Wahl sind Erythromyzin, Azithromycin oder ein anderes Makrolid, daneben Rifampicin oder Doxycyclin. Wirksam sind auch die Quinolone wie Levofloxacin oder Moxifloxacin. In schweren Fällen ist die Gabe einer Kombination von zwei dieser Substanzen notwendig. Die frühzeitige richtige Diagnose und ein entsprechend schneller Therapiebeginn sind entscheidend für den Behandlungserfolg. Die Behandlungsdauer beträgt mehrere Wochen und ist damit länger als bei anderen Formen der Lungenentzündung.