Die Koppe (Cottus gobio) -  Fisch des Jahres 2006:

Die Schlagzeile:

Der Verband Deutscher Sportfischer (VDSF) und das Österreichische Kuratorium für Fischerei und Gewässerschutz (ÖKF) wählen die Koppe zum Fisch des Jahres 2006. Sie wollen mit ihrer Wahl auf die Gefährdung dieser wenig bekannten, markanten und urigen Fischart hinweisen. In weiten Teilen Deutschlands wie in Österreich zählt die Koppe zu den bedrohten Tierarten. Sie ist im Anhang der europäischen Flora - Fauna - Habitat - Richtlinie (FFH) aufgeführt, gehört damit zu den Tier- und Pflanzenarten, die von gemeinschaftlichem Interesse sind und für deren Erhaltung besondere Schutzgebiete ausgewiesen werden müssen. Die Koppe bewohnt sehr saubere, rasch fließende Bäche und kleinere Flüsse mit steinigem Grund, aber auch sommerkühle, sauerstoffreiche Seen. Die Koppe ist sehr empfindlich gegenüber Verunreinigungen und kann deshalb als Bioindikator für die ökologische Qualität eines Gewässers angesehen werden. Intakte Populationen zeigen demnach strukturreiche, natürliche Fließgewässer der Forellenregion mit hoher Wasserqualität an. Bei den Gefährdungsursachen sind deshalb im wesentlichen Gewässerverbauung und - verunreinigung zu nennen. Die Verschmutzung von Fließgewässern, beispielsweise durch Industrie oder Landwirtschaft (Dünger), hat in vergangenen Jahrzehnten dazu geführt, das die Koppe mancherorts verschwunden ist, wo sie früher heimisch war. Obwohl sich die Wasserqualität derzeit vielerorts bessert, haben Uferverbau und der Einbau von Wehren in die Gewässerläufe eine Wiederbesiedlung früherer Wohngewässer unmöglich gemacht. Koppen gehören zu den so genannten Kurzdistanzwanderfischen. Bei ihren Aufwärtswanderungen stellen Barrieren im Bach ein großes Problem dar, weil sie als bodengebundene Fischart ohne Schwimmblase selbst geringe Verbauungen und Schwellen (10-15 cm) nicht überwinden können.

»Illustrirtes Thierleben«  in zehn Bänden von 1882–1887:

Von den bekannteren ausgehend, beginne ich die Schilderung einiger Panzerwangen mit den Groppen (Cottini), denen man den Rang einer Unterfamilie zuspricht. Sie unterscheiden sich dadurch von anderen Familienverwandten, daß der stachelige Theil der Rückenflosse weniger entwickelt ist als der weiche, und daß die verhältnismäßig große Afterflosse nur durch gegliederte Strahlen gestützt wird. An dem niedergedrückten, breiten Kopfe, dem gedrungenen und beschuppten Leibe, den verbundenen Rückenflossen und den unter den Brustflossen stehenden Bauchflossen sowie endlich den Sammetzähnen im Kiefer und auf dem Pflugscharbeine erkennt man die Flußgroppen (Cottus). Sie werden in unseren Süßgewässern vertreten durch die Groppe, welche wohl auch Greppe, Kroppe, Koppe, Mühlkoppe, Kaulquappe, Kropf- und Grozfisch, Dick- und Kautzenkopf, Rotzkober, Rotzkolbe, Breitschädel, Tolbe und Dolm genannt wird (Cottus gobio), ein Fischchen von zwölf bis vierzehn Centimeter Länge. Dasselbe ist auf graulichem Grunde mit braunen Punktflecken und Wolken gezeichnet, welche sich nicht selten zu Querbinden vereinigen, zuweilen auch auf der weißlichen Bauchseite noch sich zeigen, mit längs der Strahlen braun gestreiften Rücken-, Brust- und Schwanzflossen und gewöhnlich ungefleckter Bauchflosse. Die Färbung ändert übrigens nach der Gegend, dem Grunde des Gewässers, ja der Stimmung des Fisches entsprechend, vielfach ab. In der ersten Rückenflosse zählt man sechs bis neun, in der zweiten funfzehn bis achtzehn, in der Brustflosse dreizehn bis vierzehn, in der Bauchflosse einen und vier, in der Afterflosse zwölf bis dreizehn, in der Schwanzflosse dreizehn Strahlen. Die Groppe bewohnt alle Süßgewässer Mittel- und Nordeuropas und tritt mit Ausnahme einzelner Bäche fast überall in Menge auf, steigt auch im Gebirge bis über eintausend Meter unbedingter Höhe auf, wird selbst noch in Seen, beispielsweise in dem einzig und allein von ihr bevölkerten Tiroler Lünersee, gefunden, welche in einer Höhe von fast zweitausend Meter über dem Meere liegen. In Irland soll sie so selten sein, daß Thomson niemals ein Stück von ihr erlangen konnte; doch kommt sie auch hier noch vor. Nach Süden und Südosten hin vertreten sie verwandte Arten oder Abarten. Sie liebt klares Wasser, sandigen oder steinigen Grund, da sie sich gern unter Steinen aufhält, und besucht, der Steine halber, sogar die kleinsten, wasserärmsten Bächlein. Ihre Bewegungen sind außerordentlich schnell. »Sie schießt«, wie Geßner sagt, »von einem orth an das ander mit so starckem gewalt, daß hart ein anderer Fisch jnen in solcher bewegnuß zu vergleichen.« An Gefräßigkeit steht sie keinem anderen Fische nach, und der alte Geßner hat wiederum Recht, zu sagen: »allerley Speiß fressen die Groppen, auch sie sich einer den andern, der grösser den kleinern«; denn obwohl sie sich vorzugsweise von Kerbthieren, insbesondere von Libellenlarven, nährt, verschont sie doch keinen Fisch, den sie bezwingen zu können vermeint, und in der That auch ihre eigene Brut nicht. Forellenzüchtern ist sie sehr verhaßt, weil sie als ein sehr schädlicher Feind des Laiches dieser Edelfische angesehen wird. Rücksichtlich des Fortpflanzungsgeschäftes unterscheidet sie sich von den meisten anderen Fischen dadurch, daß das Männchen der Brut sich annimmt. Schon Linné berichtet, daß die Groppe ein Nest baue und eher das Leben als die Eier in diesem Neste aufgebe; Marsigli und Fabricius vervollständigen die Linné'sche Angabe, indem sie das Männchen als den Wächter der Eier kennzeichnen. Die Laichzeit fällt in den März und April. Das Weibchen setzt den Roggen unter Steinen oder in ein eigens dazu erwähltes Loch ab, und das Männchen übernimmt nun die Brutsorge. Erfahrene Fischer an der Traun berichteten Heckel und Kner folgendes: »Zur Laichzeit begibt sich ein Männchen in ein Loch zwischen Steinen und vertheidigt dasselbe gegen jedes andere, welches davon Besitz nehmen will, mit lebhaftem Ingrimme, welcher unter Umständen in langwierige Kämpfe ausarten kann und einem der Streiter nicht selten das Leben raubt. Während der Kampfzeit soll man öfters Groppen fangen, welche den Kopf ihres Gegners im Maule halten, ohne ihn verschlingen zu können. Dem Weibchen gegenüber benimmt sich das Groppenmännchen artig; es wird von ihm ohne Widerstreben aufgenommen, setzt an der betreffenden Brutstelle seinen Roggen ab und zieht hierauf ungefährdet seines Weges davon. Von nun an vertritt das Männchen Mutterstelle und beschützt vier bis fünf Wochen lang die Eier, ohne sich zu entfernen, es sei denn, daß es die nothwendige Nahrung suchen muß. Ebenso bewunderungswürdig wie seine Ausdauer ist sein Muth. Es beißt in die Stange oder Ruthe, mit welcher man es verjagen will, weicht nur im höchsten Nothfalle und läßt sich buchstäblich angesichts seiner Eier erschlagen«.
»Man pflegt die Groppe«, fährt Geßner fort, »auff mancherley art zu fahen, mit den Händen, mit Groppeneisen, mit den Garnen so man Rötelingarn nennet, auch zu zeiten mit den Stoßbären. Bey der Nacht fängt man sie ohne Arbeyt bey den Monscheine, zu welcher zeit sie jre schlüpfflin vnd Stein verlassen, herumb schweiffen also daß nit von nöthen ist die Stein vmbzukehren oder zu bewegen. Man pfleget sie auch zu fahen mit den Reussen, auch mit bürdlin kleiner Ruthen oder Holtzes zusammen gebunden auff den grund gesetzt, in welche sie sich verschleiffen vnd verstecken, welche man zu gewisser Zeit auffhebt, vnd die Groppen herauß schüttelt. Sie haben ein gesund gut fleisch, lieblich vnd lustig zu essen. Wiewol sie vnder die Steinfisch eigentlich zu reden nit gezehlt werden, von jrer schleimigkeit wegen. Doch so werden sie von manniglichen gepriesen, vorauß die so in rinnenden wassern gefangen.« Gegenwärtig betrachten wir die Groppe, hauptsächlich wohl ihrer geringen Größe halber, als werthlosen Fisch, bezahlen für das Kilogramm meist nicht über funfzig Pfennige und benutzen sie mehr zum Angelköder denn als Speise. Wie Pallas erwähnt, wendet sie das gemeine Volk in Rußland als wichtiges Heilmittel bei Viperbiß an und pflegt sie als Amulet am Halse zu tragen.
  Alfred Edmund Brehm (1829–1884)


Cottus Cataphractus, C. Gobio M. E. Bloch. 1784. G. Bodenehr. 43,5x26,5 cm.
ur "Dr. Bloch's Oeconomische Naturgeschichte der Fische Deutschlands", plansch no. XXXIX.
Handkolorerad.

Cottus gobio:

Die Groppe oder die Koppe ist eine Fischart des Süß- und Brackwassers, die über ganz Europa, Vorderasien und Sibirien verbreitet ist. Sie bewohnt bis in eine Höhe von 2 000 Metern sauerstoffreiche Fließgewässer und die Uferzonen sauberer Seen. In der Ostsee lebt sie im Brackwasser. Sie wird zumeist 10 bis 15 Zentimeter groß. Der schuppenlose, keulenförmige Körper ist hellbraun und unregelmäßig dunkel gefleckt. Kopf und Vorderkörper sind etwas abgeflacht, an den Kiemendeckeln weist ein spitzer Dorn nach oben. Die Groppe ist ein Grundfisch, dem eine Schwimmblase fehlt und der auf sandigem Boden zwischen Steinen und Wasserpflanzen lebt. Mit Beginn der Dämmerung geht sie auf Nahrungssuche nach kleinen Fischen, Wirbellosen und Fischeiern. Von Februar bis März ist Laichzeit, die Männchen sind dann dunkler gefärbt.

 


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Lebensraum und Biologie:
Die Groppe ist ein typischer Grundfisch mit zurückgebildeter Schwimmblase und bevorzugt die Gewässer der Forellenregion. Sommerkühle Seen werden jedoch auch besiedelt. Als schlechter Schwimmer geht sie der Nahrungssuche in den Abend- und Nachtstunden nach. Tagsüber verstecken sie sich zwischen Steinen, wobei ihnen ihre dem Untergrund angepasste Tarnfärbung zu Gute kommt. Ihre Nahrung besteht vor allem aus Flohkrebsen und Insektenlarven. Ihre Bedeutung als Laichräuber wird immer noch weit überschätzt.
Fortpflanzung:
Die orangefarbenen Eier werden vom Weibchen in Klumpen unter Steinen abgelegt. Bis zum Schlüpfen, was 4-5 Wochen dauern kann, werden sie vom Männchen bewacht. Die Larven besitzen nach dem Schlupf einen großen Dottersack, von dem sie noch 10-12 Tage zehren. Erst dann sind sie schwimmfähig und können der Nahrungssuche nachgehen.
Bestimmungsmerkmale:
Die Groppe besitzt einen keulenförmigen, leicht abgeplatteten unbeschuppten Körper. Die beiden Rückenflossen sind durch eine Flossenmembran verbunden. Das leicht unterständige Maul hat eine große Maulspalte. Die Seitenlinie verläuft unter hohlziegelartigen Schüppchen. Die Färbung ist graubraun bis braun und passt sich der Farbe des Untergrundes an. Die Männchen können von dem Weibchen durch ihren größeren Kopf und dem breiteren Maul, vor allem jedoch durch die röhrenartig verlängerte Genitalpapille unterschieden werden.