Knoblauch nach dem Pfingstfest

Allium sativum  L.

Wo der Teufel beim Verlassen des Paradieses seinen linken Fuß hinsetzte wuchs der Knoblauch. Deshalb gilt ER als Abwehrmittel gegen Hexen und böse Geister. 

Die ursprüngliche Heimat des Liliengewächses Knoblauch ist Zentralasien. Diese sehr alte Kulturpflanze hat sich schon in vorgeschichtlicher Zeit über die ganze Alte Welt verbreitet. Heute wird Knoblauch auf der ganzen Erde angebaut. Der Knoblauch ist eine einjährige Pflanze, die aus einer Knoblauchzehe aufkeimt. Kalkig-lehmiger und nicht zu feuchter Boden sind die idealen Voraussetzungen für den Knoblauchanbau. Die Pflanze wird 50 bis 70 cm hoch und besitzt spitz zulaufende längliche Blätter. Die unterirdische Knoblauchknolle besteht aus mehreren Knoblauchzehen, die eigentlich zu Speicherorganen und Keimlingen umgebildete Blätter sind. Aus diesen Knoblauchzehen bilden sich in der nächsten Vegetationsperiode neue Knoblauchpflanzen. Zwar blüht der Knoblauch auch, aber er vermehrt sich hauptsächlich vegetativ. Die Knoblauchzehen enthalten viele flüchtige Schwefelverbindungen (mindestens 0,4%). Diese Chemikalien dienen der Pflanze dazu, Fressfeinde abzuwehren (sie schmecken sehr scharf) und wirken antibakteriell und antimykotisch. Im Knoblauch selbst ist hauptsächlich die geruchlose Verbindung Alliin enthalten. Diese Verbindung wird beim Kauen oder Zerschneiden der Knoblauchzehen enzymatisch in Allizin umgewandelt. Das Allizin ist der hauptsächliche Wirkstoff des Knoblauchs. Diese Verbindung wandelt sich schnell zu Diallyldisulfid (dem Duftstoff des Knoblauchs, der nach dem Verzehr durch die Haut ausgeschieden wird) um. Man sollte Knoblauch möglichst frisch und ungekocht zu sich nehmen, wenn man von seinen gesundheitsfördernden Auswirkungen profitieren möchte. Neben 33 Schwefelverbindungen enthält Knoblauch die Vitamine A, B, C, D, E und K sowie weitere biologisch aktive Substanzen, wie beispielsweise Hormone, Enzyme, Aroma- und Mineralstoffe, und die seltenen Elemente Selen und Germanium.

Allium sativum  L.

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Literatur:

Ulmer, G. A.: Gesundheitsbrunnen Knoblauch. Vital, gesund und geistig fit. Tuningen, 1995.

Adam, C.: Mit Knoblauch. München, 2000.

Boss-Teichmann, C. / Richter, Th.: Bärlauch und Knoblauch. Sorten und Anbau. Fitness und Gesundheit. Feine Rezepte. Stuttgart, 2002.

 

Die in feinen Zwirn gekleideten Mitglieder der Knoblauchsmittwoch- Gesellschaft haben am Mittwochabend nach Pfingsten auf der Würfelwiese in Halle zu einer Festtafel geladen. Ein Jahrhunderte altes Volksfest, bei dem Bratwürstchen, Suppe und Brötchen, alles reichlich mit Knoblauch gewürzt, gereicht werden, wird seit 4 Jahren wiederbelebt.

Unbekannt ist der Zeitpunkt, seitdem der sogenannte "Knoblauchsmittwoch", gefeiert wurde. Am Pfingstmittwoch eines jeden Jahres baute man Stände auf, die Esswaren und Tand anboten oder zu Glücks-, Würfel- und Los-Spielen einluden, so dass man bald von der "Würfelwiese" sprach. Bereits 1701 erschien in Halle die lateinische Abhandlung "De festo solemni crapulario Hallensi vulgo die Knoblauchsmittwoche". Während viele Forscher dieses Fest auf heidnische Frühlings-Feiern zurück führen, leitet es die Schrift aus der Existenz der halleschen Kalands-Brüderschaften ab, die schon im 13. Jahrhundert existierten. Sie vereinten sich an den jeweiligen Monats-Ersten zu Versammlungen und waren zu frommen Werken, besonders gegen Arme verpflichtet, stifteten Summen für die Seelen-Messen ihrer Verstorbenen und unterstützten sich gegenseitig.

medizinische Wirkungen:

Es gibt kaum eine Krankheit, gegen die Knoblauch nicht wirkt oder zumindest angeblich wirken soll. Das Allizin und seine Folgeprodukte wirken antibakteriell, weswegen Knoblauch mit Erfolg seit Jahrhunderten gegen Magenbeschwerden und Darmleiden eingesetzt wird. Knoblauch wird weiterhin vorbeugend gegen Erkältungskrankheiten sowie gegen Parodontose (Zahnbetterkrankung) eingesetzt. Der Knoblauchzwiebel wird auch eine blutdrucksenkende sowie eine vorbeugende Wirkung gegen Arteriosklerose zugeschrieben. Das Allizin vermindert in der Leber die Produktion von Cholesterin und fängt Sauerstoffradikale ab. Leber- und Gallenleiden werden durch Knoblauch ebenfalls positiv beeinflusst; er wirkt appetitanregend, verdauungsfördernd und blähungstreibend. Schließlich hemmen die Knoblauchinhaltsstoffe auch noch die Thrombozytenaggregation (Teil der Blutgerinnung) und steigern die fibrinolytische Aktivität (Auflösung von Blutgerinnseln). Knoblauchzubereitungen wirken vorbeugend und können andere therapeutische Maßnahmen unterstützen. Sie werden besonders zur Erhöhung der Widerstandskraft des Organismus und vorbeugend gegen Altersbeschwerden eingesetzt.