Die Heidelbeere



Die Blaubeere (Vaccinium myrtillus), auch Heidelbeere, Schwarzbeere, Wildbeere, Waldbeere oder Bickbeere genannt, ist eine Art aus der Gattung der Heidelbeeren (Vaccinium) in der Familie der Heidekrautgewächse (Ericaceae).

Früchte
unterständige blauschwarze Beeren mit rotem Saft

historischer Heidelbeerkamm

Vaccinium myrtillus L. (Heidelbeere):

Stängel kräftig, aufrecht oder aufsteigend, grün, scharfkantig.
Blätter zart, sommergrün, rundlich-eiförmig, zugespitzt, am Rand fein gesägt, nicht umgerollt, beiderseits grün. Blüten einzeln, blattachselständig, grünlich bis rot. Blütenkrone 5-zählig, krugförmig. Beere blauschwarz, mit rotem Saft. Wuchshöhe: 15-50 cm. Bestäubung durch Insekten (Hummeln, andere Hymenoptera [Bienen]), auch Selbstbestäubung. Die Art ist empfindlich gegen Spätfröste. Blütezeit: Mai/ Juni. Ausbreitung durch Vögel. Wurzelt bis 1 m tief und bildet Ausläufer. Standort: Nadelwälder, bodensaure Laubwälder, Gebüsche, Moorheiden; frische, nährstoff- und kalkarme Rohhumusböden. Halbschattenpflanzen. Inhaltsstoffe: Flavonoide, Anthocyane, Gerbstoffe. Die Früchte enthalten auch Vitamine, Zucker und Fruchtsäuren, wegen der sie als Wildfrüchte sehr geschätzt werden. Relativ hohe Mangan- und Chromgehalte. Zusammenziehende Wirkung bei Durchfall- und Mund-/Rachenerkrankungen. Drogen: Fructus Myrtilli, Folia Myrtilli. Teedrogen. Die Beeren werden als Wildfrüchte gesammelt. Arzneipflanze. In der Volksmedizin gegen Würmer, Durchfall, Husten, Mundkrankheiten verwendet, auch gegen Fieber. Färbemittel.

Namenserklärung: Gattungsname von Linné abgeleitet von dem vorlinnéischen Namen der Moosbeere; der Begriff vaccinium bezog sich in der Antike auf Kräuter mit dunkelblauen Blüten (nicht Beeren!). Artname als Verkleinerungsform zum antiken, lat. myrtus (Myrte; Myrtaceae); nach den ± ähnlichen Blättern.
Der deutsche Artname Bickbeere stammt aus dem 16. Jahrhundert; Heidelbeere leitet sich ab von althochdeutsch heitperi, mittelhochdeutsch heitber, heidelber.
Heidelbeere, mehrere niedrige bis mittelhohe Sträucher aus der Familie der Heidekrautgewächse mit blauen oder schwarzen, essbaren Früchten. In Mittel- und Nordeuropa ist die eigentliche Heidelbeere, auch Blaubeere, die wichtigste Art. Es handelt sich um einen nur etwa 30 Zentimeter hohen Zwergstrauch, der vorwiegend in Nadelwäldern vorkommt und aus grünlich-rötlichen Blüten im Herbst blauschwarze Beeren hervorbringt. Sie haben einen angenehm säuerlichen Geschmack, sind reich an Vitamin C und werden sowohl roh verzehrt als auch zu Kompotts und Marmeladen verarbeitet. Die gewerblich angebauten und im Handel vertriebenen Heidelbeeren stammen dagegen überwiegend von einer anderen Art, nämlich der Amerikanischen Heidelbeere. Je nach Zuchtform werden diese Sträucher etwa ein bis drei Meter hoch, selten auch noch höher und tragen deutlich größere, etwas weniger aromatische Früchte.

 

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Nomenklatur:

Abteilung:  Spermatophyta (Samenpflanzen)
Unterabteilung:  Angiospermae (Bedecktsamige Pflanzen)
Klasse:  Dicotyledoneae (Zweikeimblättrige Pflanzen)
Unterklasse: Dilleniidae (Dillenienähnliche)
Ordnung:  Ericales (Heidekrautartige Pflanzen)
Familie:  Ericaceae (Heidekrautgewächse)
Gattung:  Vaccinium (Heidelbeere)
Art:  Vaccinium myrtillus L. (Heidelbeere)

Heidelbeeren

Als heut ich durch die Dresdner Haide fuhr,
Stand meine Kindheit vor mir da: Ein Kind,
Ein Bauernmädelchen im kurzen Rock,
Das bunte Kopftuch über dem blonden Haar:
Die »Guge«, die sich so hübsch an rote Backen schmiegt
Und unterm Kinne zipfelig geschlungen ist.
»Barbs« geht sie – barfuß: was für Wädelchen!
Wie süß die zierlichen Zehen geschnitten sind
(Ob auch ein wenig mit Staub gepudert) –, ach und sieh:
Wie sich das Bäuchlein leise vorwärts wölbt
(Grad nur, zu zeigen, daß es da ist), und
Wie schelmhaft dieses Fräulein lächeln kann!

Ein Fräulein von zwölf Jahren, ein Kind und doch
Ein Frauchen: Allerliebst kokett bereits
Und doch unschuldig, Duft noch ganz und Tau
Des frischen Morgens. In den Händen hält
Das Kindchen einen Korb, bis obenan
Gefüllt mit Heidelbeeren. Und da seh ich nun,
Warum die Lippen ihm ein bißchen »schnuddlich« sind:
Gefärbt vom Blaurot unsrer Wäldlerin,
Der drallen Blauen, die sich den Armen schenkt.

Ja wohl, so wars: So sah meine Kindheit aus.
Die Heidelbeere, nicht die Ananas,
Seh ich als Sinnbild jener zagen Zeit.
Die Heidelbeere, tief im Wald gesucht,
Die wäßrig-säuerliche, die so süß doch war
Dem unverwöhnt gesunden Kindesmund,
Der damals schon beim Süße-Suchen sang:
Heedelbeern, Heedelbeern,
Such ich in der Haide.
Heedelbeern, Heedelbeern
Suchen macht mir Freide.
Heedelbeern sin scheene,
In den Kober kommt keene;
Ich esse alle Heedelbeern, Heedelbeern alleene.

Otto Julius Bierbaum

aus einem alten Lexikon: