Rituale zum Fest:  "Die Weihnachtsgans"

 

Die Sitte, zu Weihnachten eine Gans zu essen, kommt aus England. Als die englische Königin Elisabeth am Christfest 1588 bei einem Gänsebraten saß, stürmte ein Bote herein. Er brachte die Nachricht, dass die Armada besiegt sei - die Flotte des spanischen Königs Philipp, des Gegners von Elisabeth. Die Königin war darüber so froh, dass sie von da an - als Erinnerung an die gute Nachricht - stets eine Gans zu Weihnachten haben wollte. Der Brauch breitete sich in ganz England aus. Von dort kam er später nach Deutschland.

 

"Die Weihnachtsgans Auguste" 24.12.2011  10.05 Uhr rbb - 26.12.2011  11.20 Uhr mdr
DDR Spielfilm 1988 nach einer Erzählung von Friedrich Wolf

Opernsänger Ludwig Löwenhaupt liebt das Federvieh - knusprig braun, mit Äpfeln, Rotkraut und Klößen. Die traditionelle Weihnachtsgans besorgt er gewöhnlich frisch vom Lande. Nur diesmal überredet ihn Peter, der jüngste Spross der Löwenhaupts, bereits einige Wochen vorher ein lebendes Exemplar mitzunehmen. Je näher das Fest rückt, umso mehr schließt die Familie Peters schnatternde Freundin ins Herz. Man glaubt sogar, gelegentlich zu hören, was das verständige und musikalische Tier zu sagen hat. Aller Fürsprache zum Trotz besteht Ludwig Löwenhaupt darauf, die Gans Auguste ohne Sentimentalität ihrer ursprünglichen Bestimmung zuzuführen. Doch bevor Auguste als Festtagsbraten in der Pfanne brutzeln kann, muss das energische Familienoberhaupt schon selbst Hand anlegen. Unter den stummen Vorwürfen seiner Lieben und der immer lauter werdenden Stimme seines Gewissens schickt sich Ludwig Löwenhaupt an, das Unvermeidliche zu vollbringen. Auf wunderbare Weise entgeht Auguste schließlich ihrem Schicksal, auch wenn sie dabei arg Federn lassen muss.

"Die goldene Gans"
26.12.2011  07.30 Uhr swr
DDR Märchenverfilmung 1964 nach den Brüdern Grimm

Die Prinzessin will einfach nicht mehr lachen! Der König verspricht sie dem zur Frau, der ein Lächeln auf ihr Gesicht zaubert. Das schafft nur Klaus mit seiner goldenen Gans. Doch der König möchte keinen Schuster als Schwiegersohn.

" Der Fuchs und die Gänse"  -  ein Märchen der Gebrüder Grimm

Der Fuchs kam einmal auf eine Wiese, wo eine Herde schöner fetter Gänse saß, da lachte er und sprach 'ich komme ja wie gerufen, ihr sitzt hübsch beisammen, so kann ich eine nach der andern auffressen.' Die Gänse gackerten vor Schrecken, sprangen auf, fingen an zu jammern und kläglich um ihr Leben zu bitten. Der Fuchs aber wollte auf nichts hören und sprach 'da ist keine Gnade, ihr müsst sterben.' Endlich nahm sich eine das Herz und sagte 'sollen wir armen Gänse doch einmal unser jung frisch Leben lassen, so erzeige uns die einzige Gnade und erlaub uns noch ein Gebet, damit wir nicht in unsern Sünden sterben: hernach wollen wir uns auch in eine Reihe stellen, damit du dir immer die fetteste aussuchen kannst.' 'Ja,' sagte der Fuchs' 'das ist billig, und ist eine fromme Bitte: betet, ich will so lange warten.' Also fing die erste ein recht langes Gebet an, immer 'ga! ga!' und weil sie gar nicht aufhören wollte, wartete die zweite nicht, bis die Reihe an sie kam, sondern fing auch an 'ga! ga!' Die dritte und vierte folgte ihr, und bald gackerten sie alle zusammen. (Und wenn sie ausgebetet haben, soll das Märchen weitererzählt werden, sie beten aber alleweile noch immer fort.)

Die Weihnachtsgans

von Heinz Erhardt

Tiefgefroren in der Truhe
liegt die Gans aus Dänemark.
Vorläufig lässt man in Ruhe
sie in ihrem weißen Sarg.
Ohne Kopf, Hals und Gekröse
liegt sie neben dem Spinat.
Ob sie wohl ein wenig böse
ist, dass man sie schlachten tat?
Oder ist es nur zu kalt ihr,
man sieht's an der Gänsehaut.
Na, sie wird bestimmt nicht alt hier
morgen wird sie aufgetaut.
Hm, welch Duft zieht aus dem Herde,
durch die ganze Wohnung dann.
Mach, dass gut der Braten werde -
Morgen kommt der Weihnachtsmann

Der Herr der Gänse:  Verhaltensforscher Konrad Lorenz

untersuchte das Phänomen der "Prägung" in den 30er Jahren

Unmittelbar nach dem Schlüpfen prägen sich Graugans-Küken in der Natur normalerweise das Erscheinungsbild ihrer Mutter ein. Lorenz sorgte aber wiederholt dafür, dass nur er selbst sich nach dem Schlüpfen von Küken in deren unmittelbarer Nähe aufhielt. Dies hatte zur Folge, dass die Küken auf Lorenz geprägt wurden und ihm nachfolgten, wohin auch immer er lief.

In der Zoologie ist der Name "Gans" eine Sammelbezeichnung für große Entenvögel mit mittellangem Hals. Gänse (Anserinae) sind innerhalb der Systematik der Vögel eine Unterfamilie der Entenvögel in der Ordnung der Gänsevögel (Anseriformes). Zu diesen zählen die echten Gänse, die Schwäne und die Hühnergänse. In Mitteleuropa kennt man vor allem die Graugans und die aus dieser domestizierte Hausgans. Seit viertausend Jahren werden Gänse als Haustiere gehalten, liefern dem Menschen Fleisch, Daunen und Fett. Mit acht bis zehn Kilogramm Körpergewicht sind Hausgänse um einiges schwerer als ihre wildlebenden Artgenossen. Anders als jene muss sich die Hausgans ja auch nicht jährlich auf Wanderschaft begeben. Ihr stattliches Gewicht aber prädestiniert sie für ein "tragisches" Schicksal: die Schlachtung im Herbst.

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