Erdbeeren

Die Gartenerdbeere

(Fragaria ananassa)

 

 

Die Walderdbeere

(Fragaria vesca)

Fragaria

 

Die Erdbeeren als Rosengewächse haben sich zu einer bedeutenden Feldfrucht entwickelt. Charakteristisch für diese Pflanzen sind oberirdische Ausläufer, an denen durch die Bildung von Tochterpflanzen eine Vermehrung (ungeschlechtliche Fortpflanzung) erfolgt. Die weißen Blüten sind zu Blütenständen zusammengefasst und besitzen einen fünfspaltigen Kelch, fünf gerundete Blütenblätter, zahlreiche Staubblätter und mehrere Stempel. Die essbare Frucht ist eine Scheinfrucht oder Sammelnussfrucht: Sie besteht aus vielen kleinen, einsamigen Nüsschen, die dem roten, stark vergrößerten, saftigen Blütenboden aufsitzen. Die heute bekannten Zuchtformen der Erdbeeren sind aus verschiedenen Ausgangsarten hervorgegangen: Die Walderdbeere ist eine Wildart mit relativ kleinen Früchten, die heute hauptsächlich als Wildobst gesammelt werden. Die bedeutendste, in zahlreichen Sorten kultivierte Erdbeere ist die Gartenerdbeere, die im 18. Jahrhundert in Holland aus einer Kreuzung der nordamerikanischen Scharlacherdbeere mit der südamerikanischen Chile-Erdbeere hervorgegangen ist. Später wurden europäische Arten, wie die Walderdbeere oder die Zimterdbeere eingekreuzt. Erdbeeren werden meist am Frühlingsanfang (eventuell unter Folie) oder im Herbst gepflanzt. Man unterscheidet einmal oder mehrmals tragende Sorten. Da der Ertrag in aufeinander folgenden Jahren abnimmt, werden die Pflanzen nach zwei Jahren oftmals durch Neupflanzungen ersetzt. Zu den größten Schädlingen zählen Insekten wie der Erdbeerblütenstecher, ein Rüsselkäfer, dessen Weibchen im Frühjahr ein Ei in die Blütenknospe legt und den Knospenstiel annagt, sowie der Erdbeerwickler, ein Schmetterling.


Fragaria vesca

Die Erdbeere

Bei heißen Sonnenbränden,
Du Beere, duftig, roth,
Mit nimmermüden Händen
Pflückt dich das Kind der Noth.

Es sieht die Fülle prangen
Und unterdrückt dabei
Das eigene Verlangen,
Wie mächtig es auch sei.

Gehäuften Topf und Teller
Trägt es zum Händler dann;
Der geizt noch mit dem Heller -
Er ist ein kluger Mann.

Doch nicht bei seines Gleichen
Vollendet sich der Kreis:
Erst auf dem Tisch des Reichen,
Der zu bezahlen weiß.

So wird zur Menschenhabe
Und dient dem Wucher nur
Selbst deine frei'ste Gabe,
O liebende Natur!

Ferdinand von Saar
 


Die alten Sorten sehen nicht gerade perfekt aus und sie würden den Weg vom Acker bzw. Garten über den Supermarkt auf den Esstisch kaum überstehen. Aber in ihnen steckt noch die ganze Palette des Geschmacks.

Die Erdbeere ist keine Beere, sondern eine Nuss:

Die Erdbeere ist biologisch gesehen keine Beere, sondern eine sogenannte Sammelnußfrucht. Was wir als »Erdbeere« verzehren, ist in Wahrheit eine - zugegeben ungewöhnlich fleischige - Blütenachse, die eigentlichen Früchte der Erdbeerpflanze aber sind die winzigen, auf dieser fleischigen roten (Anthocyane) Blütenachse angebrachten Nüsse (ähnlich bei Himbeeren und Brombeeren - hier treten an die Stelle der Mini-Nüsse kleine Steinfrüchte, weshalb auch Himbeeren und Brombeeren in der Botanik nicht als Beeren, sondern als »Sammelsteinfrüchte« zählen).
Mit »Beeren« meint man in der Botanik Früchte, die nur aus fleischigen Schichten bestehende Fruchtschalen haben, wie etwa Stachelbeeren, Hagebutten oder Heidelbeeren, aber auch Kürbisse und Gurken.
 

 

Aus einem Brief des Gärtnereibesitzers Bruno Koch aus Malente-Gremsmühlen
an die Reichskanzlei (1. August 1933)


Es ist mir geglückt, eine neue wertvolle Erdbeersorte zu züchten. In großer Verehrung für den Herrn Reichskanzler bitte ich sehr, diese Neuzüchtung »Hitler-Erdbeere« nennen zu dürfen. Wir haben bereits eine Erdbeere »Hindenburg«.

Taxonomie:

Abteilung: Samenpflanzen
Unterabteilung: Bedecktsamige Pflanzen
Klasse: Zweikeimblättrige Pflanzen
Unterklasse: Rosenähnliche
Ordnung: Rosenartige Pflanzen
Familie: Rosengewächse
Unterfamilie: Rosenartige
Gattung: Fragaria (Erdbeere)
Art: Fragaria vesca L. (Wald-Erdbeere)

 

Sprichworte:

Rhabarber schmeckt noch besser, wenn man statt Rhabarber Erdbeeren nimmt.
Reife Erdbeeren um Pfingsten bringen ein gutes Weinjahr.
Die Erdbeer in der Milch hinabschlucken. [gut leben]
Wenn man keine Erdbeeren hat, mag man die Blätter verzehren. [Tee aus Erdbeerblättern]
Da hat einmal eine blinde Kuh eine Erdbeere gefunden. [um einen blossen Glücksfall zu bezeichnen]

 

" Mieze Schindler":                          

Otto Schindler war der erste Direktor des heutigen Institutes für Obstzüchtung in Pillnitz. "Mieze" nannte er seine Frau und nach ihr 1933 auch seine zweite erfolgreiche Erdbeerzüchtung. Die Erdbeere ist ein Aromawunder, aber gleichzeitig extrem weich. Heutige Forscher in Dresden - Pillnitz bemühen sich durch Züchtung darum, dieser Sorte den Hang zur Matschigkeit auszutreiben und ihr damit Marktchancen einzuräumen. Neben der klassischen Züchtung werden auch Mutagene eingesetzt und letzlich sollen auch gentechnische Eingriffe nicht ausgeschlossen werden. Bis eine neue Sorte angemeldet werden kann, vergehen mindestens 8 Jahre.

Züchtungsbegleitende Aromastoffanalytik:

Die Arbeitsgruppe "Aroma, Geschmack und Sensorik" im Institut für Pflanzenanalytik in Quedlinburg kann heute sagen, was eine Erdbeere zur Erdbeere macht: folgende sensorische Grundqualitäten muss sie aufweisen,  nämlich Karamel [hervorgerufen durch Furaneol- arttypischer Geschmack], Pfirsich [Laktone], Gras [Hexenale], Bonbon [Ester], Käse [Buttersäure] und Ziegenbock [Capronsäure]. Alle anderen Substanzen können in unterschiedlichen Konzentrationen vorkommen und ganz verschiedene Eindrücke liefern. "Mieze Schindler" verdankt ihr hochgepriesenes Aroma einer ungewöhnlich hohen Konzentration an Anthranilsäuremethylester, dessen Geruch mit "fruchtig, aromatisch, blumig, seifig" beschrieben werden kann.

 

 



Bücher:

Leo Fux, Torkild Hinrichsen: Die Erdbeere, Verführung in Rot. Kulturgeschichte einer Frucht aus den Vierlanden. Husum Druck. Husum 2001
Saftenberg: Die Kultur der Erdbeere. Leipzig 1925

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Namenserklärungen:

lat. fragum = Erdbeere, lat. fragrare = duften
lat. vescus = zehrend, abgezehrt, zu lat. vesci = sich ernähren, verzehren; nach den essbaren Sammelfrüchten.
ananassa: nach der Ähnlichkeit der Sammelfrucht im Aussehen, Geruch und Geschmack mit der Ananas

Lexikon 1905:

Erdbeeren waren schon im Altertum bekannt, ihrer Kultur wurde aber erst im 16. Jahrh. in Frankreich größere Beachtung geschenkt. Sie verdienen viel mehr, als bisher bei uns geschehen, im großen kultiviert zu werden. Die Amerikaner haben Feldkultur eingeführt und erzielen die lohnendsten Erträge; bei Aberdeen in Schottland wurden schon 1864 etwa 1000 Ztr. geerntet, und auch in Gernsbach im Badischen, bei Niederwalluf am Rhein, in den Weinbergen bei Koffebaude, in der Loschwitzer Gegend im obern Elbtal, in der Lößnitz bei Dresden, bei Werder an der Havel, bei Petersburg werden Erdbeeren im großen kultiviert. Sollen Erdbeeren eingemacht werden und dabei ihr Aroma behalten, so dürfen sie nicht erhitzt werden. Man schichtet sie mit reinstem Zuckerpulver, das bald zu Sirup zerfließt. In solcher Weise zubereitete Erdbeeren halten sich an einem kalten Ort ziemlich lange; erhitzt man sie in verschlossenen Gläsern in kochendem Wasser, so werden sie freilich haltbarer, büßen aber auch an Aroma ein.

Der Obstbau und seine Feinde in der Tierwelt

[Liebig's Sammelbilder Serie 779]
Bild 3: Erdbeer-Ernte in den Vierlanden (Buschobst, Erdbeere - Ringelspanner, Star, Gem. Ohrwurm)

"Zum niederen Buschobst zählt man Erdbeere, Heidelbeere und Preisselbeere, jedoch nur die Erdbeere erfreut sich einer ausgedehnten und ständig zunehmenden Kultur. Amerika und Schottland bebauen grosse Erdbeerfelder. In Deutschland sind die Vierlande bei Hamburg durch ihre Erdbeerkultur von altersher berühmt. Heidelbeere und Preisselbeere wachsen wild in den Wäldern. Um die schädliche Insektenbrut mit ihren Larven, Raupen, Eiern, Käfern usw. zu vernichten, sammelt man sie am besten in Tüchern und vertilgt sie durch Verbrennen. Aber auch die Vögel, wie die Stare und Spatzen, unter den Säugetieren Feldmäuse, Meister Lampe stellen den aromatischen Erdbeerfrüchten eifrig nach."