Sarg, Urne oder Diamant:

Die Trauerdiamanten

Biologische Gedanken zum Totensonntag

Der Biologe sagt, " Der Preis des Sex ist der Tod". Mit der geschlechtlichen Fortpflanzung, der Bildung mehrzelliger Organismen und der Weitergabe des Erbgutes über die Keimbahn fallen in der Natur Leichen an. Sterben und Tod gehören zum Leben. Bei den Menschen gehört es zur Kultur die Leichname würdevoll zu bestatten. Während die katholische Kirche ihrer Verstorbenen Allerseelen (2. Nov.) gedenkt, endet das evangelische Kirchenjahr mit dem Ewigkeitssonntag (im Volksmund Totensonntag). Für Christen ist der Tod zwar das Ende des irdischen Lebens, doch wird dies in der Perspektive der Hoffnung auf die Auferstehung der Toten gesehen. Im abendländischen Kulturkreis sind die Erd- und Feuerbestattung auf dem Friedhof üblich. Neuerdings weisen einige Bestatter auf die Möglichkeit hin, aus einem Teil der Asche des Verstorbenen einen Diamanten fertigen zu lassen.

Links:     1      2      3       4       5        6       7       8        9       10

Die Diamantbestattung

Der Diamant (griech. diaphainein durchscheinen und adamantos das Unbezwingbare) ist neben Graphit und Fulleren eine der drei Modifikationen des Kohlenstoffs. Er besitzt ein kubisches Kristallsystem und ist in reinem Zustand transparent, oft aber durch Verunreinigungen in den verschiedensten Farben gefärbt. Seit 1955 ist es mit Hilfe des so genannten Hochdruck-Hochtemperatur-Verfahrens möglich, künstliche Diamanten herzustellen. Bei diesem Verfahren wird Graphit in einer hydraulischen Presse bei hohen Drücken und Temperaturen von über 1500 °C zusammengepresst. Unter diesen Bedingungen ist Diamant die thermodynamisch stabilere Form von Kohlenstoff, so dass sich der Graphit zu Diamant umwandelt.
Die Diamantbestattung setzt eine Kremierung (Einäscherung) des Verstorbenen voraus. Kremationsasche besteht zu ca. 30% aus Kohlenstoff. Der Kohlenstoff liegt zum Großteil in Verbindungen vor. Aus den durchschnittlich ca. 2 kg. Kremationsasche eines Menschen können auf Wunsch mehrere Diamanten gefertigt werden. Da nicht die gesamte Asche zur Fertigung eines Diamanten benötigt wird, kann die verbleibende Asche auf herkömmliche Art beigesetzt werden. Alternativ dazu kann die Asche aber auch im Trennungsverfahren komplett in den gasförmigen Zustand gebracht und in die Luft entlassen werden. Durch ein spezielles Trennungsverfahren wird der Kohlenstoff aus der Asche gelöst und in einem weiteren Schritt werden die natürlichen Entstehungsbedingungen von Diamanten simuliert. Unter enorm hohem Druck von 50000 bis 60000 Bar und einer Temperatur von 1500 bis 1700 Grad beginnt das Graphit seine Struktur  zu verändern. Über einen Zeitraum von vier bis acht Wochen beginnen aus dem ursprünglichen hexagonalen Graphit oktogonale Diamant-Kristalle zu wachsen. Durch einen entsprechenden Schliff entsteht dann ein Erinnerungsdiamant, aus den sterblichen Überresten des geliebten Verstorbenen. Dabei sind verschiedene Schliffarten möglich. Die Preise werden nach Karat berechnet und bewegen sich zwischen 3500 Euro für 0,4 Karat und 11 000 Euro für ein Karat. Der Stein kann auf einen Goldring gesetzt werden und stellt ein „mobiles Erinnerungsstück“ dar.