Ein frohes Pfingstfest (*)

Der Baum der Fruchtbarkeit, der Weisheit und des Lebens: Betula pendula

(dt. Synonyme: Hänge-Birke, Warzen-Birke, Sand-Birke, Rau-Birke, Weiß-Birke)

 

Hängebirken sind meist 10 bis 25 m hohe, bis 120 Jahre alte Laubbäume, selten Sträucher, mit männlichen und weiblichen Blütenständen (eingeschlechtig, einhäusig, Windbestäubung) und einer weißlichen Rinde. Männliche Blüten sind in dichten, hängenden, ährenartigen Blütenständen – den so genannten Kätzchen – angeordnet (Blütezeit April bis Mai). Die Früchte sind geflügelte Nüsschen. Die lang gestielten, wechselständigen Blätter aus breit-keilförmigem Grund 3-eckig-rhombisch mit nicht abgerundeten Seitenecken sind lang zugespitzt, oberseits grasgrün, unterseits heller. Der Blattrand ist scharf doppelt gesägt. Viele Exemplare zeigen ausgesprochen hängende, dünne Zweige. Während sich die weiße Rinde der jungen Bäume in Striemen ablöst, ist die Borke älterer Bäume durch schwarze kräftige Risse gekennzeichnet. Jüngere Zweige sind dagegen glänzend rötlich-braun, fast kahl und reichlich mit warzigen Harzdrüsen besetzt. Birken lieben lockeren, sandigen Boden, gedeihen aber auch in Bruchwäldern, Auwäldern, auf Moore, auf Gesteinsschutt und in Heiden.
 

 

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Systematik:


Abteilung:
Spermatophyta (Samenpflanzen)
Unterabteilung: Angiospermae (Bedecktsamige Pflanzen)
Klasse: Dicotyledoneae (Zweikeimblättrige Pflanzen)
Unterklasse: Hamamelididae (Kätzchenblüter)
Ordnung: Fagales (Buchenartige Pflanzen)
Familie: Betulaceae (Birkengewächse)
Gattung: Betula (Birke)
Art: Betula pendula Roth (Hänge-Birke)

Namenserklärungen:


lat. betulla, betula = antiker Name der Birke.
lat. pendulus = hängend; wegen der jung überhängenden Zweige.
dt. Gattungsname nach dem gotischen bairka, althochdeutsch bircha, mittelhochdeutsch birke, birche; Grundbedeutung „Glänzende“


 

Birken liefern ein engmaseriges Holz mit sehr gleichmäßiger Struktur und seidig-blassgelber Farbe, das zur Herstellung von Möbeln, Böden, Sperrholz und Furnieren verwendet wird. Das einst in Nordamerika populäre Birkenbier wurde aus dem Saft dieser Bäume gewonnen. Die dünne, gut abzuschälende Borke der Papierbirke wurde von Indianern benutzt, um Kanus zu bauen. Ihre charakteristische weiße Farbe ist auf den bis zu 25 Prozent ausmachenden Gehalt des Triterpens Betulin zurückzuführen. Durch Anzapfen des Saftstroms im Frühling hat man früher Birkenblutungssaft geerntet, der verdünnt mit Alkohol als Tonikum und Birkenhaarwasser sehr beliebt war.
Einige Birkenarten sind weit verbreitete Zierbäume, etwa die europäische Hängebirke, auch Sand- oder Weißbirke genannt, von der es viele Zuchtsorten gibt. Diese lichtbedürftige Art stellt keine besonderen Ansprüche an den Boden, verträgt allerdings keine Beschattung durch andere Bäume. Sie wurde vom „Kuratorium Baum des Jahres” zum Baum des Jahres 2000 gewählt, weil sie als Pionierpflanze eine bedeutende Rolle bei der Wiederbewaldung von Brachflächen spielt und vielen Tieren, Pilzen und Flechten Lebensraum bietet.

Sprichworte:

Aufgesprungene Birken geben wenig Saft.
(Das Alter besitzt nicht die Lebensfrische der Jugend.)

Er findet sich aus drei Birken nicht heraus.

Wenn man die Birke nicht fällen mag, so hat man eine stumpfe Axt.

Mit der Zeit bekommt die glatteste Birke Knoten.

Einen Tanz mit Jungfer Birke tun.
(ausgepeitscht werden)

Denn erst dann haben wir Ruhe, sagen die Russen, wenn die Birke über uns wächst.

Wenn der Narr einen Wunsch für die Birke hat, so möchte er, dass ihre Rinde weiß wäre.

Find'st du die Birke ohne Saft, kommt bald der Winter mit voller Kraft.

Man kann die Birke schütteln wie man will, es fallen keine Nüsse herab.

Die Birke ist das beste Mittel gegen Krämpfe.

Die Birke

Es wächst wohl auf der Heide
Und in des Waldes Raum
Ein Baum zu Nutz und Freude,
Genannt der Birkenbaum.

Die Schuh, daraus geschnitzet,
Sind freundlich von Gestalt.
Wohl dem, der sie besitzet,
Ihm wird der Fuß nicht kalt.

Es ist die weiße Rinde
Zu Tabaksdosen gut,
Als teures Angebinde
Für den, der schnupfen tut.

Man zapfet aus der Birke
Sehr angenehmen Wein,
Man reibt sich, daß es wirke,
Die Glatze damit ein.

Dem Birkenreiserbesen
Gebühret Preis und Ehr;
Das stärkste Kehrichtwesen
Das treibt er vor sich her.

Von Birken eine Rute,
Gebraucht am rechten Ort,
Befördert oft das Gute
Mehr als das beste Wort.

Und kommt das Fest der Pfingsten,
Dann schmückt mir fein das Haus,
Ihr, meine lieben Jüngsten,
Mit Birkenzweigen aus.

[Wilhelm Busch: Zu guter Letzt.]

Der Pfingstbaum:

Der Maibaum - ursprünglich nur Birken, weil sie als erste aus ihrer Winterruhe erwachen - steht als Symbol für Fruchtbarkeitsriten früherer Zeiten (deshalb volkstümlich auch Maie, Maybaum, Maibusch genannt).
Dorfbrunnen, Häuser, Ställe, Kirchen und Fahrzeuge werden zu Pfingsten häufig mit grünen Birkenzweigen verziert. Der Maibaum und das Aufstellen des geschmückten Baumes oder Stammes am letzten Tag des Aprils, am 1. Mai, an Pfingsten oder an Johanni ist ein in vielen Teilen Deutschlands und Österreichs verbreiteter Brauch, verschiedene Formen des Brauchs sind auch in weiten Teilen Mittel- und Nordeuropas verbreitet. Es gibt verschiedene Typen von Maibäumen. Einerseits große, hochstämmige Dorfmaibäume, die an zentralem Platz im Ort bei einer festlichen Veranstaltung aufgerichtet werden. Daneben gibt es aber auch den Brauch, dass die jungen, unverheirateten Männer eines Dorfes vor den Häusern aller unverheirateten Frauen kleinere Maibäume (meist Birken) als "Gunstbeweis" aufstellen.

 

Der Brauch des Maibaumstehlens:

Vor allem das Stehlen des Maibaumes ist ein oft ausgeübter Brauch. In der Nacht nach dem Aufstellen wird der Maibaum meist noch einmal von jungen Männern bewacht. Um das Entwenden des Maibaums zu verhindern, muss nach dem Brauch in Ostfriesland spätestens bei Annäherung von Fremden einer der Wächter eine Hand am Baum haben. Schaffen es die Gegner, dies zu verhindern oder die Wächter so abzulenken, dass sie ihre Pflicht vernachlässigen und dann drei Spatenstiche gegen den Baum auszuführen, gilt der Baum als gestohlen. Er wird mit einem Schild versehen, auf dem der Sachverhalt vermerkt ist, und entweder gleich oder am folgenden Tag abgeholt und neben dem eigenen Baum der erfolgreichen Diebe aufgestellt. In den meisten Teilen Österreichs gilt ein Maibaum erst dann als gestohlen, wenn er von den Dieben vollständig umgelegt wurde, oder erst wenn er bereits vom ursprünglichen Standort abtransportiert wurde. Es gilt als Regel, dass nur der Maibäume stehlen darf, der auch selber einen aufgestellt hat. Gestohlene Bäume müssen später wieder ausgelöst werden. Dazu begibt sich eine Abordnung der Bestohlenen zu den Dieben und handelt den Preis aus, der üblicher Weise in Naturalien (Getränke und Essen) zu entrichten ist. In manchen Teilen Österreichs ist es auch üblich, das sich die Diebe des Maibaums in einem öffentlichem Schauprozess verantworten müssen, und in diesem durch geschicktes Verhandeln die Strafe für ihren dreisten Diebstahl niedrig halten können.

 

 

Birke und Birkenpilz:

 


Ebenso wie andere Waldbäume gehen die Wurzeln der Birkenbäume mit Pilzen eine Mykorrhiza, eine symbiontische Lebensgemeinschaft ein, durch die sich die Nährstoffversorgung der Birkengewächse auf den kargen Böden deutlich verbessert.  (*)